Flying Colors und „Second Nature“: das Projekt wird zur echten Band

VERÖFFENTLICHUNG» 26.09.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Flying Colors Second Nature bei Amazon bestellen

Da haben sich vor zwei Jahren fünf Musiker zusammen gefunden, bei denen Kenner nur genießerisch mit der Zunge schnalzen können: Mike Portnoy (Schlagzeug, Gesang), Dave LaRue (Bass), Neal Morse (Keyboards, Gesang), Casey McPherson (Gesang, Gitarre) und Steve Morse (Gitarre). Eine Supergroup also, bei der sich (Ex-)Bandmitglieder von Dream Theater, Spock’s Beard und Deep Purple vereint haben. Eine traumhafte Kombi für Progger und Rocker. Schon seltsam, dass gerade im weitläufigen Element des Prog so viele aus Individualisten zusammen gewürfelte Bands entstehen. Und es scheint meist zu funktionieren, wie das schon vor Jahrzehnten bei Asia der Fall war und im neuen Jahrtausend auch mit Transatlantic eine Band hervor gebracht hat, die viel mehr ist als das Konglomerat ihrer Teile.

Nach dem Debüt gab es gleich ein Livealbum, das die Herzen der Progger erfreute. Jetzt aber wird es ernst: Kann das Quintett auch mit seinem zweiten Werk überzeugen? Schreitet der kreative Prozess voran und erzeugt ein weiteres homogenes Album? Auf jeden Fall! „Second Nature“ klingt noch viel mehr wie ein Bandalbum, als dies schon beim selbst betitelten Erstling der Fall war. Die Truppe hat sich gefunden und man spürt, dass die Chemie stimmt. Laut Portnoy funktioniert der erste Schreibprozess in Form von Skype-Sessions (!), dann trifft man sich einige Tage zum Jammen und jeder nimmt Hausaufgaben mit, die später wieder zusammen getragen werden. So arbeiten die souveränen Stars.

„Second Nature“ besteht hauptsächlich aus Songs in der Länge zwischen 5 und 7 Minuten. Es wäre aber kein respektables Prog-Album, würde man die Einzelsongs nicht mit zwei ausschweifenden Zwölfminütern einrahmen. Das gebietet das Genre. Und es sind dann auch zwei echte Kracher, die das Album starten und beenden. „Open Your Eyes“ als typischer Longsong, der sich langsam aufbaut und nach und nach alle Facetten der Beteiligten zeigt, „Cosmic Symphony“ hingegen aufgeteilt in drei Parts, die jeweils eine eigene Stimmung vermitteln. Die sphärischen, schwebenden Elemente sind in beiden Varianten beeindruckend.

Bei „Flying Colors“ war ich noch etwas enttäuscht und hätte mir mehr Neal Morse an den Vocals gewünscht. Inzwischen aber bin ich mit Casey McPherson absolut versöhnt. Er ist stimmlich stark und glänzt in den Höhen. Neal kann sich derweil ganz auf sein fulminantes Keyboard-Spiel konzentrieren und bisweilen eine charakteristische Gesangslinie beisteuern.

Knallharte Drumparts, ausgefeilte, zum Teil mehrstimmig eingesungene Arrangements. Wo diese Zutaten zusammen kommen, da werden Fanherzen weich. Zwischen diesen zu erwartenden soliden Eckpunkten dürfen wir uns aber auf einige Überraschungen gefasst machen. So gibt es durchaus auch Parts, die in den handfesten Rockbereich oder gar in die Progmetal-Schublade gehören. Ein geiles Album, das wir hoffentlich auch bald live erleben dürfen.

[amazonButton]Hier kannst Du „Second Nature“ bestellen[/amazonButton]