FOOLS GARDEN machen keine Scherze – „Who Is Jo King?“

VERÖFFENTLICHUNG» 12.10.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Als unbekannte Band mit einem besonderen Titel aus dem Stand an die Chartspitze – nicht nur in Deutschland, auch in Norwegen, Irland, Dänemark, Malaysia und Singapur. Das geschah der Band Fool’s Garden 1995 mit „Lemon Tree“. Und ein solcher Erfolg kann Fluch und Segen zugleich sein. Fluch deshalb, weil man fortan nur noch über einen Hit definiert wird. Weil jeder Rezensent, jeder Zeitungsartikel neue Stücke mit „Lemon Tree“ vergleicht.

Der Sänger aber, Peter Freudenthaler, sagt: „‘Lemon Tree‘ war definitiv ein Segen. Der Song kam zu mir, als ich auf meine Freundin wartete und mir war sofort klar, dass der Song etwas ganz Besonderes isr. Ein Tag Produktion – der Rest ist Geschichte, die bis heute andauert.“ 100.000 Zuschauer auf Konzerten in Russland, 30 Millionen Fernsehzuschauer in China. Welche deutsche Band hat das mal geschafft? Höchsten die Scorpions oder Rammstein.

Fool’s Garden schwammen kräftig auf der Britpop-Welle mit und die Vergleiche zu den Beatles und Oasis tauchten immer wieder auf. Alben gab es im 2-3-Jahres-Rhythmus, doch ein Erfolg wie beim Album „Dish Of The Day“ wollte sich nicht mehr einstellen. 2003 trennte sich die Band und 2005 gab es in veränderter Besetzung ein letztes Album. Dann war Ruhe – bis jetzt. Nach sieben Jahren melden sich Freudenthaler, Volker Hinkel und die Neumitglieder Claus Müller sowie Dirk Blümlein als Quartett zurück.

Das Album trägt den spielerischen Titel „Who Is Jo King?“ und zunächst fällt das Cover auf, das von Klaus Voormann höchstpersönlich im Stil des Beatles-Albums „Revolver“ gestaltet wurde. Eine künstlerische Aussage, die sich auch in den Albumtracks wiederfindet. Es ist nicht direkt ein Konzeptwerk geworden, doch die Tracks gehen ineinander über, es gibt instrumentale Einsprengsel und sehr tief gehende Lyrics. „How Do You Feel“ ist ein Apell an die innere Schönheit, „Maybe“ ermuntert uns, an Idealen festzuhalten“ und „Water“ ist ein ergreifender Abschiedssong Freudenthalers, gerichtet an seinen verstorbenen Vater.

Die Songs klingen leichtfüßig und typisch nach Fool’s Garden. Wer ihre Tracks abseits von „Lemon Tree“ kennt, wird sie stilistisch sofort wieder entdecken und vor allem die charismatischen Vocals haben einen hohen Wiedererkennungswert. Popsongs, die nicht oberflächlich dahin gerotzt werden, sondern Tiefgang besitzen. Oft sehr bedächtig, bisweilen mit rockiger Attitüde. Dreh- und Angelpunkt ist der Song „Innocence“, der mit seinen Streicher-Einlagen stark an Coldplay erinnert. Dafür wurde gar das Deutsche Filmorchester Babelsberg bemüht und am Ende des Albums findet sich ein Radio Edit des Songs.

Fool’s Garden haben ihr Handwerk nicht verlernt. Ich habe die Band immer gemocht und mir gefielen auch die Songs abseits von „Lemon Tree“, vor allem ihr Debüt „Once In A Blue Moon“. Schön, dass die Geschichte weiter geht und sie sich nicht als Kirmesmusikanten in der Chartshow verheizen lassen.