Frank Turner – Tape Deck Heart. Der Musikbarde findet zu seinen Stärken zurück.

VERÖFFENTLICHUNG» 22.04.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die dürren Jahre sind vorbei! So könnte auch der Name des neuen Albums von Frank Turner heißen. Waren die ersten beiden Alben „Sleep Is For The Weak“ und „Love Ire & Song“ auf musikalischer Ebene weitaus simpler gestaltet, konnte man ab „Poetry of the Deed“ doch einige deutliche Veränderungen des britischen Musikbarden heraushören. Dies ist vor allem der Unterstützung der großartigen Sleeping Souls zu verdanken, die ihm seit Jahr und Tag auf der Bühne und im Studio zur Seite stehen.

Auf Turners fünftem Album musste man sich jedoch vorweg die Frage stellen: Ist der Output den Mr. Turner an den Tag legt, nicht ein wenig zu intensiv? Zur Info, sein Debütalbum „Sleep Is For The Weak“ erschien 2007. Seitdem veröffentlichte der Brite nahezu im Jahrestakt EPs und Alben. Könnte da Quantität vor Qualität gehen? Mit Nichten!

Bereits der Opener und gleichzeitig erste Single „Recovery“ zählt zu Turners besten Songs, die je veröffentlicht wurden. Erinnern tut er ein wenig an „The Real Damage“ vom oben genannten Debütalbum. Dazu fällt einem direkt die Bandbreite auf, mit der die Souls Turner unterstützen. Während „Losing Days“ eher einen zum Nachdenken über das Älter werden stimmt, dreht „Plain Sailing Weather“ mal so richtig auf. Turner beginnt mit einer Gitarre, bis sich die gesamte Power des Mannes aus Winchester, voll entfaltet. Wo denn auch bitte eher, als bei einem Liebeslied über Beziehungsängste? Sehr gutes Ding.

Zur zweiten Hälfte nimmt das Album an der Vielfalt und Power ein wenig ab. Jedoch muss man da ein Meisterwerk klar außen vor lassen. Ich erkläre es in vier simplen Worten: „I Want To Dance“. „Four Simple Words“, das absolute Highlight der Platte, hat es sogar verdient hier zitiert zu werden:

„I want to dance
I want lust and love and a smattering of romance.
But I’m no good at dancing,
And yet I have to do something,
Tonight I’m gonna play it straight I’m gonna take my chance,
I want to dance”

Das sind zwar weitaus mehr als vier Wörter, dennoch bewirken sie ca. 10 Sekunden später, dass sich Wälle des Todes auf einander zu bewegen, dass zig Leute aus einer Bewegung heraus riesige Kreise laufen und dass Ellenbogen endlich mal wieder für das eingesetzt werden, wozu der Herrgott sie geschaffen hat. Man darf sich auf spektakuläre Momente bei den Konzerten freuen, wenn der Song gespielt wird. Ein weiterer eher unkonventionellerer Song findet man in „The Fisher King Blues“, der hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf.

Leider ebbt das Album im Anschluss wieder ab. „Polaroid Picture“ bleibt noch als Powerballade etwas länger in den Ohren, „Anymore“ und „Oh Borther“ schon wetaaus weniger. Bei „Broken Piano“ muss ich leider kurz innehalten und meine Gehörgänge langsam an die Kopfstimme von Frank Turner gewöhnen lassen. Mehr Graus, als Schmaus, bedauerlicherweise.

Dennoch: Auch beim fünften Album findet sich weitaus mehr erfreuliches beim Liedermacher, Geschichtenerzähler und letztem Rebell mit Akustikklampfe wider, verglichen mit seinem letzten Werk „England Keep My Bones“. Mehr Geschichten, weniger England. Danke dafür Frank!

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