„Freedom“ von SpiralArms packt euch bei den Eiern!

VERÖFFENTLICHUNG» 04.10.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Geht man bei Wikipedia auf die Suche nach SpiralArms, dann findet man zwar eine ausführliche Erklärung für die gleichnamigen, gasförmigen Ausleger von Galaxien, aber nichts über die Band aus Kalifornien. Die einzige Gemeinsamkeit: Spiralarme führen ins Nichts und SpiralArms kommen aus dem Nichts. Jedenfalls für mich. Dabei entstanden SpiralArms bereits 2004 aus der Asche solcher Kapellen wie Systematic, Man Made God oder der Bay Area-Veteranen Forbidden. Mit deren Trash Metal hat das Sextett um die beiden Gründungsmitglieder und Jugendfreunde Tim Narducci und Craig Locicero jedoch ungefähr soviel am Hut wie China mit demokratischen Wahlen. Ich kannte bislang weder ihre beiden Demo-EPs noch das vor drei Jahren veröffentlichte Debütalbum „Highest Society“. Ein Fehler, wie ich heute weiß. Denn das Feuerwerk aus Melodic und Desert Rock, das SpiralArms auf dem Nachfolger „Freedom“ abbrennen, ist die wohl unerwartetste und erfreulichste musikalische Überraschung des Jahres!

Wer vor zwei Jahrzehnten schon auf Alice In Chains, Soundgarden, Black Sabbath oder Led Zeppelin abgefahren ist, der wird das Album lieben. Zugegeben, an diesem Erbe haben sich schon viele andere vorher versucht, aber lange hat es niemand mehr geschafft dabei so authentisch und gleichzeitig frisch und modern zu klingen wie SpiralArms. Dafür spricht schon die Bandbesetzung, die weit über das übliche Gitarre-Bass-Schlagzeug-Schema hinausgeht. Auch der Einsatz von Talk Boxen, seit Bon Jovi eigentlich ein No-Go, fügt sich hier nahtlos in das Gesamtkunstwerk aus zehn grossartigen Rockhymnen ein.

Das fängt mit der ersten Single „Dropping Like Flies“ an und endet mit dem nach Whiskey und Saloon riechenden Bonus Track „I Lay Low“, nebenbei der perfekte Soundtrack für jeden Quentin Tarantino-Film. Bei „Hold Me To The Sky“ wabern bewußtseinserweiternde Nebelschwaden durchs Bild und als während „Exit 63“ zum zweiten Mal ein Piano die dunklen Gitarrenwände unterbricht, halte ich das nicht mehr für einen Zufall, sondern für eine geniale Idee. Auch „Blackmoon Morning“ und „Drugs & Alcohol“ haben diese herrlich vollfetten Gitarren im Programm, zu denen die markante Stimme von Tim Narducci – eine Mischung aus Chris Cornell und Axl Rose – passt wie die Faust aufs Auge. In „Dealer“ stampfen SpiralArms breitbeinig durch die Kneipe und verwandeln das Ding kurzerhand in Kleinholz. „Lovers Leap“ ist zwar eine Ballade mit seufzender Gitarre, doch die Mischung aus Schmerz und Energie ist weit von der sonst üblichen Quotenballade für’s Formatradio entfernt. Am Ende von „Freedom“ erweisen SpiralArms dann noch Led Zeppelin mit dem fantastischen Titelsong die Ehre und schütteln mit „Tomorrow’s Dream“ ein Black Sabbath-Cover aus dem Ärmel, das fast besser klingt als sein Original.

Meine Fresse, welch ein geiles Album! „Freedom“ hat alles, was man für einen gepflegten Abend mit guten Kumpels und jeder Menge Bier braucht: Majestätische Gitarrenriffs, Hooks, die einen bei den Eiern packen, einen Sänger mit Wiedererkennungswert und Grooves, die jeden glattpolierten Schädel zum Headbangen bringen. Schaut euch einfach das Video zu „Dropping Like Flies“ an und ihr wisst wovon ich rede. Ach ja, und falls ihr mich sucht, ich bin im Plattenladen und kaufe „Highest Society“…

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