Frida Gold – Liebe ist meine Religion: Rebellische Ideen mit Eurodance-Einschlag

VERÖFFENTLICHUNG» 28.06.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Obwohl der große Hit nach „Wovon sollen wir träumen“ ausblieb, haben Frida Gold doch wieder alles richtig gemacht. Das zweite Album eroberte auf Anhieb den Spitzenplatz der deutschen Charts – will heißen: ein fantastisches Aussehen und eine starke Stimme setzen sich auch ohne Dauer-Airplay durch. Alina Süggeler und der Gitarrist Julian Cassel machen schon seit ihrer Schulzeit zusammen Musik. Bassist Andi Weizel und Drummer Tommi Holtgreve stießen später hinzu. Und es hat sich inzwischen herum gesprochen, dass Alina als Topmodel noch ein zweites Standbein hat. Diese „music meets fashion“-Attitüde lässt sie manchmal etwas kalt wirken, wenn man sie dann aber live oder beim Interview erlebt, entdeckt man eine sehr herzliche Person hinter der Fassade.

Das aktuelle Album trägt den Titel „Liebe ist meine Religion“, nicht zu verwechseln mit der Single, die „Liebe ist meine Rebellion“ lautet. Der Song wird manchem bekannt vorkommen, da er ein Dancefloor-Sample enthält, das in den 90ern die Diskotheken stürmte: „Feed From Desire“ von Gala. Für die Verwendung dieses Hooks musste die Band schon viel Prügel einstecken, aber es passt wirklich gut. Und warum nicht? Das Original ist zwar kulturelles Allgemeingut, Titel und Interpret wären mir aber beim besten Willen nicht mehr eingefallen.

Eine weitere – echte – Coverversion gibt es unter dem Namen „Rosegarden“, das schon Anfang der 70er von Lynn Anderson gesungen wurde. Frida Golds große Stärke liegt jedoch in den eigenen Stücken wie dem Dancefloor-Kracher „Himmelblau“ oder der Ballade „Große Erwartungen“. Manche Erwartung wurde nach dem furiosen Debüt „Juwel“ vielleicht enttäuscht, doch Frida Gold machen immer noch wundervolle poppige Musik mit elektronischem Einschlag.  Alinas Stimme erklingt sehr sympathisch und kraftvoll – ohne Gefahr, sie mit anderen Vertretern der Deutschpop-Zunft zu verwechseln. Allerdings könnte man sich die englischsprachigen Einsprengsel schenken. Der Sinn davon erschließt sich mir nicht.