Für „Gold Dust“ verwandelt Tori Amos alte Songs in Gold

VERÖFFENTLICHUNG» 28.09.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Schon der Release ihres letzten Werks „Night Of The Hunters“ war eine mutige Entscheidung: Tori Amos hat die Klassik für sich entdeckt. Es war ein Album voller Eigenkompositionen, die von klassischer Musik inspiriert sind. Harte Kost für Freunde des Progressive Rock, die Tori Amos immer noch in direkter Nachfolge von Kate Bush sehen. Jetzt stand neben ihrer wundervollen Stimme plötzlich das Piano im Mittelpunkt. Eigentlich war es sogar eine Rückkehr zu den Wurzeln. Tori hatte ursprünglich klassisches Klavier studiert, galt gar als Wunderkind, bevor sie den Zwängen entfloh und ihr Heil in der Popwelt suchte.

Nun versucht sie mit ihrem neuen Werk, beide Welten zu verbinden. Auf „Gold Dust“ präsentiert sie eine Retrospektive, die ihre persönlichen Favoriten und kleine Raritäten aus der langen Karriere enthält. Also nicht die großen Hits (wenn man überhaupt davon sprechen kann) wie „Cornflake Girl“, „Crucify“ oder „Professional Widow“, sondern die kreativen Perlen eines Musikerlebens.

Die Werkschau wurde eingespielt im sinfonischen Sound – vom Metropole Orchestra unter Leitung von Jules Buckley. Das Ergebnis erinnert stark ans Vorgängeralbum, aber es setzt noch eine Schippe drauf. Die Songs sind eingängiger, ohne eine „Pop meets Klassik“-Attitüde zu vermitteln. Die Stücke werden mit ganzer orchestraler Kraft dargeboten und die Arrangements sind einfach perfekt. Nicht mehr so schwermütig und mystisch verspielt. Diesmal kommen auch langjährige Fans ganz auf ihre Kosten. „Flavor“, „Winter“ und „Marianne“ – da kann die Sängerin ihre ganze kreative Kraft in dramatische Songstrukturen legen. Einfach zum Dahinschmelzen.

Und doch – bei aller orchestraler Schwere: Am stärksten wirkt das Album, wenn Toris Stimme und ihr Pianospiel im Vordergrund stehen. Ein dicker Schwerpunkt liegt mit drei Tracks auf dem 92er Album „Little Earthquakes“. Und dann geht es munter durch den Backkatalog bis hin ins Jahr 2009. Trotzdem klingt alles wie aus einem Guss und daran hat das Orchester großen Anteil. Eine Live-Umsetzung gibt es im Oktober in der Berliner Philharmonie. Äußerst empfehlenswert!