Gary Barlows „Since I Saw You Last“ endlich auch in Deutschland

VERÖFFENTLICHUNG» 21.02.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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„Since I Saw You Last“ ist das erste Soloalbum von Gary Barlow seit 1999 und es macht mal wieder deutlich, dass der Brite seit jeher die Seele von Take That war. Nach der Auflösung der Band startete er seine eigene Karriere zunächst erfolgreich mit „Forever Love“ und „Love Won’t Wait“, doch als das zweite Soloalbum weniger erfolgreich war und Robbie sein „Angels“ schmachtete, verschwand er komplett von der Bildfläche. Das ist eine Schande – wie man nun rückblickend feststellen muss. Robbie Williams nämlich, der als zweiter erfolgreicher Einzelkünstler aus der Band hervor trat, verstand sich zwar auf Tamtam und Stargehabe, war aber auf Gedeih und Verderb seinen Songwritern ausgeliefert.

So war auch das Comeback von Take That im Grunde genommen das Comeback von Gary Barlow. „Beautiful World“ und „Circus“ waren herausragende Werke, in denen Barlow seine Songwriter-Qualitäten wieder unumwunden zeigen konnte. Das unnötige Reunion-Album „Progress“ hingegen war mehr dem Kommerz geschuldet als echten künstlerischen Ambitionen.

Gönnen wir dem mittlerweile 43jährigen also seine Verschnaufpause und das ruhige dritte Soloalbum, mit dem er alles verwirklichen kann, was ihm durch „Progress“ verwehrt wurde: ein hymnisches, melodisches Werk voller gefühlvoller Songs, das die Linie des Take That-Comebacks an der Stelle fortsetzt, wo man nach „Circus“ aufhören musste. Es ist ein sehr persönliches Album, das eine Reihe biographischer Momente enthält.

„Requiem“ beispielsweise handelt von Garys Vater und wurde von Robbie Williams mit geschrieben – um gleich klarzustellen, dass die Zeit der Rivalitäten lange vorbei ist. Hier offenbart sich dann auch schon der große Unterschied zum letzten TT-Release: Es wird keine nervigen Elektropop-Klänge geben, kein unnötiges Überspielen der Musik mit Synthie-Gedudel. Barlow besinnt sich auf seine Stärken: das Piano und reine Gitarrenklänge. So wird jeder Song zum Fest. Ob im Duett mit Elton John („Face To Face“) oder in seiner eigenen, optimistischen Art, die ihn auch schwierige Themen in hymnisch-fröhliche Melodien verpacken lässt.

„Since I Saw You Last“ zeigt Gary Barlow als großen Singer und Songwriter. Er hat dieses tiefgründige und sympathische Album ohne Pomp und Skandale aus dem Ärmel geschüttelt. Damit sollte er endlich seine Linie gefunden haben und mit etwas Glück werden wir noch einiges aus seiner Feder zu hören bekommen – gerne auch von Take That, aber nicht unbedingt mit Robbie.

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