Gentle Giants „The Power And The Glory“ – Konzeptwerk zu Politik und Machtmissbrauch

VERÖFFENTLICHUNG» 18.07.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wenn über die Größen des Progressive Rock aus den 70er Jahren gesprochen wird, nennt man meist Bands wie Pink Floyd, Genesis und Jethro Tull. Ein wichtiger Vertreter wird aber häufig vergessen: Gentle Giant, die von 1970 bis 1980 aktiv waren und mit ihren komplexen, oft vertrackten Arrangements eine Generation von Musikern ebenso prägten, wie die genannten hochrangigen Vertreter.

Ian Anderson von Jethro Tull nannte sie in einem Interview seine „favorite prog band“ und lobte die Intensität ihrer Musik. Peter Banks von Yes beschrieb sie als „außergewöhnlich“ und Jordan Rudess (Dream Theater) bezeichnet Gentle Giant als größten musikalischen Einfluss seines Erwachsenwerdens. Und natürlich ist auch Steven Wilson mal wieder mit ihm Spiel: Der Mastermind von Porcupine Tree nimmt sich momentan des Backkatalogs von Gentle Giant an. Er hat „The Power And The Glory„, das sechste Album der Band, komplett neu abgemischt.

Das Werk aus dem Jahr 1974 erreichte Platz 78 der amerikanischen Charts. Es handelt sich dabei um ein Konzeptalbum, dass sich mit den Themen Politik und Machtmissbrauch beschäftigt. Musikalisch hört man Prog und Pop, aber vor allem deutliche Einflüsse aus Jazz und Blues. Für den Normalhörer ist es definitiv kein leicht zu konsumierendes Werk, was erklären mag, dass Gentle Giant nie breite Hörerschichten erreichten. Prog ist Musik für Musiker – solche Vorurteile entstehen nicht von ungefähr.

Steven Wilson geht wie gewohnt mit Vorsicht, aber mit dem ihm eigenen Perfektionismus an das Album heran. Es klingt nach seiner Arbeit wieder sehr modern und die Verliebtheit ins kleinste Detail ist deutlich spürbar. Die leisen Klänge neu zu beleben und die musikalische Lupe anzusetzen – das ist stets Wilsons Verdienst. Die Vermischung von elektronischen Instrumenten mit Gitarren, fortwährende Takt- und Tempowechsel und vor allem das dominante Keyboard wurden und werden von den Vertretern des Neoprog gerne kopiert.

Zum 40. Geburtstag schafft Steve Wilson kein Wunder. Das Album wird nicht etwa zugänglicher, aber damit hat wohl auch keiner gerechnet. Wir lauschen weiter andächtig dem komplexen Gesamtbild, mehrstimmigem Gesang und dem manchmal etwas schrägen Sound. Mir liegt nur die remasterte CD-Version vor, doch natürlich steht der Name Wilson für einen DTS 5.1 Sound, den es im BluRay-Format zu erwerben gilt.

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