Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch sind Kid Kopphausen

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Hinter dem eigenwilligen Namen Kid Kopphausen haben sich zwei der derzeit viel beachtetsten Songschreiber deutscher Sprache zusammengefunden, um ihre unbändige lyrische und tief grabende Weltsicht und ihre introvertierten Gefühlsregungen als einen drängenden Organismus aus mehr als Musik zu gebären, der weit draußen auf dem Land die Sehnsucht nach Großstadt auf die weiten Felder schreit.

Gisbert zu Knyphausen hat zuvor zwei grandiose Alben veröffentlicht und der  bildende Künstler aus der Stadt, Nils Koppruch seine alte Band Fink (vorerst) zu Grabe getragen. Sie kennen sich bereits aus verschiedenen gemeinsamen musikalischen Gehversuchen zuvor („die Aussicht / Knochen & Fleisch“), aber haben jetzt zum Herbst dieses Jahres, bevor die Blätter draußen in den buntesten Tönen leuchten, zusammen mit Alexander Jezdinsky (Schlagwerk), Felix Weigt (Bass, Tasteninstrumente) und Marcus Schneider (Gitarren) ihre Version eines neuen Western in der Verpackung aus den goldenen Zeiten dieses Genres mit dem Album „I“ aufgenommen. Sie geben sich dabei die Zügel in die Hand während ihres Rittes durch staubige Strassen, stets ihre kongeniale Weltklugheit und den trockenen Humor im Sattel.

Eine Americana – Melancholie kratzt an den typischen Knyphausischen Songstrukturen und den fein gesponnenen so überlebensgroßen Melodien, wie sie auf den Soloplatten des jungen Mannes aus dem hessischen Rheingau zu finden sind. Es ist im Grunde nicht schwer zu merken, wer welche Songs auf diesem Album geschrieben hat und die Schwingung der doch unterschiedlichen Stimmen der beiden Liedermacher grenzen sich deutlich voneinander ab – und doch sind die ergreifenden Momente die, in denen sich diese Stimmen innerhalb eines Songs treffen und überraschend so schön ergänzen.

Die ruhigen Momente sind es, die haften bleiben. Manchmal wünscht man sich beim hören dieses Liedguts mehr Verschmelzung, weniger merkliche Aufteilung zweier musikalischer Lebenswege. Diese Platte rockt an vielen Stellen laut los, verkriecht sich dann wieder in dunklen Ecken und wiegt sich getragen in sanften Melodien. Da stecken in diesen Liedern die Wurzeln dieser beiden Männer, manchmal wie gesagt auch beide Stimmen in einem Song, keine Grenzen, keine Kategorien. Die Bilder und Wörter rauschen vorbei, doch klar erkennbar, immer auch mysteriös. Liebeslieder sind das, verpackt in goldenes Geschenkpapier.

Diese organische Musik zeigt Zwei, die sich gefunden zu haben scheinen. Ihre Sicht des Lebens, die Veränderung und das Übertragen des Wohlbekannten in neue Pfade. Musik im Hier und Jetzt, gefilmt auf altem Celluloid.