GlasBlasSingQuintett, Flaschenmusik 2006-2012 (2 CD) / Keine Macht den Dosen (DVD)

VERÖFFENTLICHUNG» 01.06.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Das GlasBlasSingQuintett könnte eine ganz normale A cappella- oder Comedy-Truppe sein: Fünf junge Männer, die gemeinsam Musik machen, ohne herkömmliche Instrumente, zum Teil mit lustig umgestalteten Coverversionen, zum Teil mit eigenen Songs. Was sie von allen anderen Genrevertretern unterscheidet: die Wahl ihrer musikalischen Mittel. Als Instrumente hält nämlich das Repertoire alltäglicher Durstlöcher her – Glas- und Plastikflaschen, Getränkedosen, Kisten und Fässer.

Seit 2003 treten die Berliner im deutschsprachigen Raum auf und haben schon eine Reihe von Preisen gewonnen. Sie treten im klassische Kleinkunst-Theater auf, waren aber auch schon bei „Wetten, dass…?“. Die Herren heißen Endie, Frank, Fritze, Möhre und Peter – und mit ihrer ganz speziellen Performance beglücken sie groß und klein. Das konnte man sich in der Vergangenheit auch zuhause anhören: zwei CDs sind erschienen, „Liedgut auf Leergut“ und „Keine Macht den Dosen!“, gleichzeitig die Titel ihrer bisherigen Erfolgsprogramme.

Und schon beginnt das Staunen: Das Quintett kann nicht nur Klamauk. Da sind hervorragende Stimmen am Werk und man verbindet die witzigen Klänge von Flaschenblaskunst, Daumenplopps und Plastikpercussion mit hervorragenden sängerischen Fähigkeiten. Es gibt herrliche Klassiker wie „Good Day Sunshine“, „Personal Jesus“, „Don’t Worry Be Happy“ und (kein Konzert ohne Elvis-Song) „All Shook Up“. Unter dem Titel „Flaschenmusik 2006 – 2012“ erscheinen nun beide CDs im Doppelpack. Die perfekte Gelegenheit, um das Konzept des Fünfers kennen zu lernen.

Was aber noch besser ist, als ihre Musik zu hören: einen Auftritt zu sehen! Und auch hier wird geholfen. Gleichzeitig mit der Doppel-CD erscheint die erste DVD der Truppe. Das Programm „Keine Macht de Dosen“ wurde am 23. und 24. August 2011 in den Berliner „Wühlmäusen“ mitgeschnitten. Wir dürfen uns auf über zwei Stunden visuelles Vergnügen freuen. Mal Neuinterpretationen klassischer Musik (Beethovens „5. Sinfonie in c-Moll, 1. Satz“, Mozarts „Türkischer Marsch“ und Brahms‘ „Ungarischer Tanz Nr. 5“), dann eigene Stücke wie „Keine Macht den Dosen“ und „Der frühe Vogel“ oder Tophits wie Seeeds „Hübsches Ding“ mit eigenen Textzeilen als „GlasBlasSingDing“.

Das allseits bekannte „Jungle Drum“ erfährt als „Bottle Drum“ mit ungewöhnlichen Apparaturen eine neue Perspektive. In „Body Art“ geht es um zeitgemäßen Körperschmuck wie Arschgeweih und Piercings. „Alla turca“ wird mit einem Daumen-Plopp-Flaschen-Orchester und Jägermeister-Glockenspiel verschönt. Es gibt eine lange Plastikflaschenperformance und ein Loop-Gerät kommt zum Einsatz. Einziges echtes Instrument ist eine Ukulele. Das Programm macht großen Spaß, wenn ich auch bedauern muss, dass die polyphon mit Vocals vorgetragenen Passagen im Vergleich zum ersten Programm stark nachlassen. Schade – denn da könnten sich die fünf zusätzlich noch ganz anders beweisen.

Die Extras der DVD enthalten kleine Dokus zum Tourleben, eine Instrumentenkunde (Vergleich zwischen Flaschen und Dosen) und weitere lustige Gimmicks. Empfehlen kann ich beides: Die CDs aufgrund der klanglichen und musikalischen Vielfalt, sehr sauber produziert. Die DVD, da der visuelle Eindruck einfach unbezahlbar ist!