Handwritten, das neue Werk von The Gaslight Anthem

VERÖFFENTLICHUNG» 20.07.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Gewiss – wir leben in einer Zeit, da es Computerprogramme gibt, die auf Knopfdruck diverse Files zu einem neuen Musikstück kombinieren. Neu generierte „Easy Listening“-Songs in Albumlänge sind somit schon lange kein Problem mehr. Umso wohltuender, wenn Bands noch die Ochsentour von Writing Sessions, freiem Improvisieren und gegenseitiger künstlerischer Inspiration auf sich nehmen. Das neue Werk von The Gaslight Anthem funktioniert als Album, das diese Kunst in seinem ganzen Erscheinungsbild zelebriert.

Da ist zunächst der Albumtitel „Handwritten“ – und man sieht die Bandmitglieder auf dem Cover ganz traditionell und fast schon konservativ an ihren Instrumenten. Was dann aus den Boxen kommt ist Rockmusik der ganz alten Schule. Erdig, melodisch und mit dem rauen Geist, mit dem die großen Vorbilder schon seit langem die Stadien füllen. „Ich war schon immer bereit für die großen Arenen“, erklärt Frontmann Brian Fallon dazu. „Ich hab nur darauf gewartet, bis sie auch bereit für uns sind.“ Das klingt nicht nach Ausverkauf, sondern nach dem Wunsch, die Massen zu begeistern.

Vom Geheimtipp aus New Jersey, der die Indie-Punk-Rock-Fans begeisterte, avancierte man zum Publikumsliebling bei internationalen Festivals. Jetzt erscheint das selbstbewusste Major-Album bei Universal Music. Als Produzenten hat man Brendan O’Brien mit an Bord, der schon mit Pearl Jam und Bruce Springsteen zusammen arbeitete. Vor allem die Nähe zum Boss ist unüberhörbar. Spätestens wenn die hymnischen Klänge des abschließenden „National Anthem“ ertönen und das Herz ergreifen, wird klar, wen man das ganze Album über vor Augen hatte. Fallon klingt hier rauchig und charismatisch wie der gute alte Springsteen.

So tut sich im Sound des neuen Albums eine große, melodische Tür auf. Melancholie, Sehnsucht und große Emotionen prägen Song um Song. Ihrem Bandnamen machen The Gaslight Anthem diesmal wirklich alle Ehre.