Hannes Wader und Allan Taylor – zwei Seelenverwandte als „Old Friends In Concert“

VERÖFFENTLICHUNG» 01.02.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Hannes Wader gilt neben Reinhard Mey, Konstantin Wecker und Klaus Hoffmann als einer der letzten großen deutschen Liedermacher – Vorbild für Generationen. Der Grandseigneur der deutschen Singer-Songwriter-Szene wurde im Juni 70 Jahre alt. Und er wird nicht müde, uns Jahr um Jahr mit neuen Alben zu beglücken. Das aktuelle Studiowerk „Nah dran“ erschien im August. Und zum Jahresbeginn 2013 gibt es ein ganz besonderes Livealbum.

Der Titel lautet „Old Friends In Concert“ und wir sehen zwei gestandene Herren auf dem Cover: Hannes Wader und den britischen Songwriter Allan Taylor. Im Mai 2011 gingen die beiden  langjährigen Freunde erstmals gemeinsam auf Tour und begeisterten das Publikum allerorten. So sind die Ansagen zwischen den Liedern voller Anekdoten, mal auf Deutsch, mal auf Englisch erzählt, die die gemeinsame Geschichte der beiden beschreiben. Da haben sich wahrhaft Seelenverwandte gefunden.

Wader hat seine Wurzeln in der Singer-Songwriter-Bewegung der 60er Jahre. Die Festivals auf Burg Waldeck waren zu dieser Zeit legendär. Und seine streitbare Grundhaltung hat sich seitdem nicht geändert. Allan Taylor begann seinen Folkrock in Brighton, war mit der Band Fairport Convention unterwegs und wurde schließlich fester Bestandteil der Szene in Greenwich Village (New York). Kaum zu glauben, dass es mehr als hundert Cover-Versionen seines Hits „It’s Good To See You“ in zehn verschiedenen Sprachen gibt!

Die ähnlichen Lebenswege haben sie oft auf Festivals zusammen geführt, doch die gemeinsame Tour ist etwas Einzigartiges. Das betont Hannes Wader mehrfach. Die beiden musizieren locker zusammen, singen die Hits in der Originalsprache an und wechseln in die andere Sprache. Aus „Heute hier, morgen dort“ wird „Day To Day“, aus „Schwestern, Brüder“ dann „What’s The Life Of A Man“. Das funktioniert auch umgekehrt mit „It’s Good To See You“ und „Gut wieder hier zu sein“. Zudem gibt es Traditionals wie „Sag‘ mir wo die Blumen sind / Where Have All The Flowers Gone“ (Pete Seeger) und das kuriose Altertümchen „Dat du min Leefste büst“, im Englischen „Night Visiting Song“.

Die Freundschaft zwischen beiden kann man quasi hören. Keiner spielt sich in den Vordergrund, die Durchmischung der Solowerke ist ausgewogen – es macht Spaß, den rüstigen Rentnern zuzuhören. Freunde des Folkrock und gepflegter Liedermacher-Musik können sich von dem gemeinsamen Gitarrenspiel und dem harmonischen stimmlichen Miteinander verzaubern lassen.