Hape Kerkeling wandelt auf Schlagerpfaden und lässt sich das Singen nicht verbieten

VERÖFFENTLICHUNG» 04.04.2014
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Hape Kerkelings Affinität zum deutschen Schlager ist ein altbekanntes Phänomen. Aber immer hatte dies einen Hauch von Ironie und Sarkasmus. Man denke nur an seine Kunstfigur Uschi Blum, die als alternde Schlagerdiva erstmals im Kinofilm „Kein Pardon“ auftauchte. Mit dem Titel „Sklavin der Liebe“ schaffte sie es gar in die deutschen Singlecharts. Und jetzt plötzlich ein Album voller Schlagertitel, das einen ernsthaften Anspruch vertritt? So ganz will man dem Braten nicht trauen.

Aber ich bin überrascht. Tatsächlich geht Hape sehr ernsthaft an die Sache ran. Am deutschen Schlager kommt spätestens seit dem Megaerfolg von Helene Fischer sowieso keiner mehr vorbei. Hape hat nun eine ganze Reihe bekannter Titel neu aufgelegt und eingesungen. Dabei sind die Arrangements und Rhythmen den heutigen Standards angepasst, im Text gibt es aber nur minimale Veränderungen. Vielleicht auch gar keine – nagelt mich da mal nicht fest.

„Feuer“ beispielsweise wird ursprünglich von einer Frau (Ireen Sheer) gesungen, doch Hape muss Zeilen wie „Ich lass mich nicht von den Männern dressier‘n“ keineswegs ändern, um stimmig zu klingen. Er singt die Titel ohne parodistische Schnörkel sauber ein und gibt hier tatsächlich den schmucken Schlagerbarden. Die Palette ist dabei sehr vielseitig und reicht von „Liebeskummer lohnt sich nicht“ über „Schmidtchen Schleicher“ bis hin zu „Fahrende Musikanten“. Da sind verschiedenste Epochen deutscher Biederkeit vertreten. In Duetten unterstützt wird er übrigens von Größen wie Michelle Hunziker, Mary Roos und Kim Fisher.

Nur vereinzelt streut er eigene Titel ein. Den berühmten Kinosong „Das ganze Leben ist ein Quiz“ beispielsweise, oder die gloriose Verarschung „Hurz“. Doch selbst diese klingt jetzt wie ein gewöhnlicher Gegenwartsschlager mit Spoken-Word-Elementen. Ganz zum Schluss ertönt „Ich lasse mir das Singen nicht verbieten“  (aha – minimale Textveränderung). Er muss es sich auch nicht verbieten lassen. Wir hatten doch viel Spaß, wenn er zum Beispiel die Eurovisionsgeschichte gesanglich Revue passieren ließ. Aber Schlager? Auf Dauer irgendwie… langweilig.

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