Hawaii-Tapete und Ukulele statt schwarzweiße Tasten – Anna Depenbusch bastelt sich einen „Sommer aus Papier“

VERÖFFENTLICHUNG» 05.10.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Das Klavier ist ein wunderbares Instrument – man kann prima daran komponieren und sogar eine ganzes Album und eine komplette Tour damit bestreiten, wie Anna Depenbusch zuletzt mit „Die Mathematik der Anna Depenbusch in schwarz-weiß“ eindrucksvoll bewiesen hat. Aber im Reisegepäck ist so ein Klavier doch äußerst unhandlich, zumal für eine bekennende Seemannsbraut. Deshalb hat Anna die Ukulele für sich entdeckt und inspiriert von einer Hawaii-Tapete ihr verspieltes neues Album „Sommer aus Papier“ aufgenommen.

Dass dieses Album gerade zum Herbstanfang erscheint, ist kein Widerspruch, denn so ein Sommer aus Glanzpapier soll ja Erinnerungen an den Sommer für die kalten Tage bewahren. Und das sind bei Anna fröhliche Lieder von Verliebtheit, wilden Partynächten oder Tretbootfahrten, aber ebenso auch Geschichten voll leiser Tragik oder feiner Ironie. Umgesetzt hat sie ihre Sommervisionen mit einer vierköpfigen Band und den verschiedensten akustischen Instrumenten.

Zu Beginn lädt uns Anna als Kapitän mit dem beschwingten „Herzlich Willkommen“ zu dieser musikalischen Reise ein, und man folgt der Einladung nur zu gerne. Der melodische Titelsong verführt schon derart zum Mitsingen und Mitwippen, dass man beinahe die inhaltliche Dramatik überhört, aber zum Glück folgen mit dem wunderschönen Duett „Ich & Du“ mit Mark Forster und dem überschwänglichen  „Karaokenacht“ dann ein paar durch und durch positive Sommerlieder. In diese Kategorie darf man auch den Gute-Laune-Song „Tretboot nach Hawaii“ einordnen und „Fräulein Ukulele“, mit dem man sich so schön in die Südsee träumen kann.

Zwischendurch wird es wie schon erwähnt auch mal tragisch wie in „Vom Leben als Gespenst“, oder geheimnisvoll, wenn der Zuhörer rätselt, was eigentlich in „Zimmer #439“ passiert. „Hey Cowboy“ ist Annas Ansage an müde Cowboys, denen das Leben zu anstrengend ist, und „Irgendwo ist oben“ ein atmosphärisch und rhythmisch unglaublich dichtes Durchhaltelied für alle, die weit weg von rettenden Ufern zu ertrinken drohen. Am Ende des Albums legt Anna dann die Ukulele beiseite und setzt sich wieder ans Klavier. Mit „Benjamin“ beweist sie nochmal ihren eigenwilligen Humor und vor allem Mut – denn den braucht man schon für einen so schön und überzeugend gesungenen Orgasmus. Der Schlusstitel „110“ schließlich ist eine sehr ernste Ballade über einen lebensverändernden Notfall.

Auf „Sommer aus Papier“ zeigt uns Anna Depenbusch all ihre Glanzpapier-Facetten, von verspielter Leichtigkeit bis zu melancholischem Tiefsinn. Als Zuhörer ist man bezaubert und berührt und drückt gerne den ganzen Herbst und Winter durch auf die Repeat-Taste.