Heino stellt die Musikwelt auf den Kopf: „Mit freundlichen Grüßen“

VERÖFFENTLICHUNG» 01.02.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Was soll man zu einem Album noch sagen, zu dem in den vergangenen zehn Tagen eigentlich schon alles gesagt worden ist? Im Boulevard, in den abendlichen Talkshows, durch Statements und Dementis. Die Maschinerie, die hier angelaufen ist, kann man getrost als perfektes Marketing beschreiben. Schon auf dem Cover prangt in dicken Lettern „Das verbotene Album“. Dabei gibt es natürlich nichts Verbotenes hier: Jeder darf Songs anderer Künstler covern, so lange er Text und Melodie nicht verändert, die Komponisten angibt und schön brav Gema-Gebühren bezahlt. Auch Heino! Anständig wäre vielleicht, wenn man die gecoverten Künstler im Vorfeld informiert und sich ein halbseidenes „Okay“ abholt, aber geschenkt – Heino wurde auch tausendfach ungefragt durch den Kakao gezogen.

Zum Musikalischen: Da gibt es gar nicht so viele Überraschungen. Es wurden zunächst mal Songs ausgewählt, die zu dem 74jährigen passen wie Faust aufs Auge. „Junge“ von den Ärzten bekommt natürlich aus Heinos Mund eine ganz andere Bedeutung und verliert die Ironie des Originals. Dass es trotzdem wie wild im Radio läuft, ist mal wieder Beweis für die Zeitlosigkeit eines genialen Songs. „Haus am See“ kann Heino mit der Abgeklärtheit singen, in die sich Peter Fox träumerisch versetzen musste.

Die Arrangements wurden kaum verändert. Keiner muss also Volksmusik-Traditionen befürchten. Lediglich Instrumentierung und Intonation wurden an Heinos Möglichkeiten angepasst. Stimmlich ist der Gute absolut sauber, rollt das „R“ wie eh und je (wenn ich mir auch bei Rammsteins „Sonne“ sogar noch mehr Prägnanz gewünscht hätte) und man hört das schelmische Grinsen, das er vermutlich während der Aufnahmen auf den Lippen hatte, quasi durch die Boxen mitschwingen. Absolut skurril wird es, wenn Heino beginnt zu rappen. Im schnellen Sprechgesang beim „MfG“ der Fantas und noch ausgeprägter in „Liebes Lied“.

Natürlich gibt es auch Ausfälle. „Kompliment“ und „Gewinner“ klingen wie bessere Schlager. Und „Vogel der Nacht“ ist der Track, der Heinos typischer Volksmusik am nächsten kommt. Viele Texte versteht man plötzlich ohne das nuschelige Gehabe des Originals. „Willenlos“ von Marius beispielsweise. Und erzeugt es nicht schaudriges Kopfkino, wenn man sich den Zehen lutschenden Heino vorstellt?

Das Artwork zeigt Heino in Lederkutte und mit Totenkopfring. Es gibt ein neues Logo mit Totenkopf-Heino, das vermutlich bald auch auf etlichen T-Shirts erscheinen wird. Der alte Herr hat alles richtig gemacht. Man muss kein Prophet sein, um die künftige Nummer 1 in den Albumcharts zu kennen. Jeder darf sich die CD mit dem Augenzwinkern anhören, das Heino bei der Produktion sicher auch hatte. Leider geil!

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