Heinz Rudolf Kunze fällt ein „Stein vom Herzen“ – der Deutschrocker als Wutbürger und Mutmacher

VERÖFFENTLICHUNG» 25.10.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Mit 56 Jahren tut Heinz Rudolf Kunze nur noch das, worauf er Lust hat. Und seien wir doch ehrlich: dem Hörer fällt ein Stein vom Herzen, wenn er das neue Album einlegt und ihm vom ersten Ton an gefällt, was er da vorgesetzt bekommt. „Dein ist mein ganzes Herz“ ist lange her. Und dauerhafte Chartbreaker gab es seit dieser Zeit nicht mehr. Aber wer braucht die schon? Im Jahr 2011 feierte der Rocksänger sein 30jähriges Bühnenjubiläum. Im Jahr darauf gab es die Best-of-Duett-Zusammenstellung „Ich bin“ und das umfangreiche „Hier rein da raus“ mit dem Projekt Räuberzivil. Die Pfade des Deutschrock verließ Kunze hier fast durchgehend. Stattdessen präsentierte man Liedermacher-Musik im Stil von Wader und Wecker, etwas Blues und Funk, bisweilen gar Country-Einschlag oder virtuos arrangierte Streicher.

2013 aber gibt uns den rockenden Kunze zurück und liefert eine Reihe von solide durchgeschüttelten Nummern mit harten Riffs. Damit ist HRK zugleich Wutbürger als auch Mutmacher. Er bricht eine Lanze für Europa („Europas Sohn“). Wer tut das heutzutage noch? Er nimmt sich der Rüstungsindustrie an („Weltweit Feuer frei“) und belächelt den Clown, dessen Kassandra-Rufe niemand hören will („Der Clown schreit Feuer“). Textlich ist Kunze wie immer eine Wucht. Er zeigt Ecken und Kanten, vermischt Philosophisches mit Autobiographischem. Und das Ergebnis groovt gewaltig.

Daneben beherrscht HRK auch die ruhigen Klänge. „Komm kleine Fee“ heißt eine schlichte Ballade, „Stein vom Herzen“ eine andere. Streicher, Piano und wunderschöne Lieder über die Liebe in Zeiten der Krisen („Küsse unterm Kleid“, „Wenn Du sie siehst“). Eine wundervolle Abgeklärtheit kann man dem autobiographischen Song „Das Leben nehmen“ nachempfinden – und der Bogen zieht sich bis zum letzten Track „Es wird ein gutes Leben“, der die Privilegiertheit eines Aufwachsens in der westeuropäischen Welt aus der Sicht eines noch ungeborenen Kindes beleuchtet.

14 neue Songs, von denen Kunze die meisten selbst geschrieben hat.  Das Album wurde erstmals zusammen mit den Musikern Jens Carstens und Zoran Grujovski produziert – und als Ergebnis genießen wir ein abwechslungsreiches Rockalbum voller Energie und lyrischer Finessen. Diesmal ist sogar das CD-Cover eine künstlerische Offenbarung.

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