Heinz Rudolf Kunze & Tobias Künzel rocken ungefragt die Bühnen der Republik

VERÖFFENTLICHUNG» 22.03.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Dabei wäre wohl kaum jemand auf die Idee gekommen, Heinz Rudolf Kunze und Tobias Künzel in ein gemeinsames musikalisches Projekt zu stecken. Der eine ein renommierter Songwriter, der mit „Dein ist mein ganzes Herz“ vor Urzeiten eher zufällig einen Hit gelandet hat. Der andere Mitglied der Prinzen, die ja allgemein als Klamauk-Truppe gelten, wobei man nur mal näher hin hören muss, um den ernsthaften Hintergrund in ihren Songs zu erkennen.

Die Kollaboration könnte kaum spannender sein. Zum deutsch-deutschen Gipfeltreffen (Kunze stammt aus Ostwestfalen, Künzel aus Leipzig) gesellen sich Bluespianist Paul Millns, Christof Stein-Schneider (Fury in the slaughterhouse) und Peter Pichl (Räuberzivil). Im Mittelpunkt stehen aber die KuK-Protagonisten und sie tragen eine bunte Mischung aus Songs vor, die aus ihrer eigenen Laufbahn stammen oder die sie gemeinsam geschrieben haben.

Das Projekt, das in die Live-CD „Uns fragt ja keiner“ gipfelt, hatte eine lange Entstehungszeit. Vor zehn Jahren traten beide zusammen bei einem Festival auf und verabredeten das Schreiben gemeinsamer Lieder. 2013 war es dann endlich soweit und es gab eine gemeinsame Deutschlandtournee, deren Essenz nun auf dieses Doppel-Album gepresst ist. Die Aufnahmen stammen vom Konzert in Schwerin (17. Januar).

Was erwartet die Zuschauer? Ein Streifzug durch die Epochen. Es gibt viele neue Songs, meist mit Musik von Tobias und Lyrics von HRK. Eine Prise Selbstironie zu Beginn, dann Gesellschaftskritisches in Liedform, aber auch gesprochene Texte. Kunzes Text „Radio Galeere“ beschäftigt sich zum Beispiel mit den Sendern „mit gar keiner Abwechslung und dem Schlechtesten von heute“. Da wird ihm so mancher Hörer uneingeschränkt zustimmen.

Natürlich gibt es auch die Hits der beiden im neuen Soundgewand. Besonders cool aber: man singt überkreuz, d.h. Kunze versucht sich an den Prinzen-Knallern „Alles nur geklaut“ und „Es war nicht alles schlecht“, Künzel hingegen interpretiert HRK-Klassiker wie „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Finden Sie Mabel“.

Auch Fury in the slaughterhouse werden mit „Won’t Forget These Days“ gewürdigt und ganz zum Abschluss gibt es als All-time-favourites „Lola“ von Ray Davies mit Kunzes deutschem Text und „Münchhausens Nachtlied“ zu „Der Mond ist aufgegangen“. 125 Minuten Konzertlänge fangen das Geschehen perfekt ein und man wünscht sich, dass dieses Projekt eine baldige Fortsetzung erfährt.