Heinz Rudolf Kunze und sein vielleicht bestes Album „Hier rein da raus“ mit Räuberzivil

VERÖFFENTLICHUNG» 07.09.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Räuberzivil – ein Projekt von Heinz Rudolf Kunze, das sich in den letzten Jahren verselbständigt hat. Zunächst war es nur ein akustisches Liveprogramm, das unter dem Titel „Bockwurst und Schadenfreude“ gemeinsam mit Wegbegleiter Wolfgang Stute entstand. Akustische Gitarre, später Mandoline und Violine. Puristische Musik, mit der zunächst Stücke aus dem Kunze-Repertoire und schließlich auch eigens für Räuberzivil geschriebene Songs dargeboten wurden. 2006 startete das Ganze, jetzt gibt es endlich ein Räuberzivil-Studioalbum, das viele Fans sehnlichst erwartet haben.

Zur festen Band gehören nun neben HRK himself und Wolfgang Stute auch Hajo Hoffmann (Mandoline / Violine) sowie Peter Pichl (Bass). Ein Silberling reichte nicht für die Ideenflut. Gleich zwei CDs mit 34 Titeln mussten es sein. Die Pfade des Deutschrock verlässt Kunze hier fast durchgehend. Stattdessen gibt es Liedermacher-Musik im Stil von Wader und Wecker, etwas Blues und Funk, bisweilen gar Country-Einschlag oder virtuos arrangierte Streicher. 13 Tracks sind zum Teil musikalisch untermalte Sprechtexte. Auch das passt.

„Hier rein da raus“ ist somit pures Understatement. Die Songs sind keineswegs zum schnellen Vergessen geschrieben, sondern bleiben lange im Ohr. Vor allem die nachdenklichen Texte. Satirisches wie „Nimm es nicht persönlich“ als Hommage an General Custer, Jimi Hendrix und Jesus Christus. Der rockige Mottosong „Räuberzivil“, das erzählende „Der Kartenleger“ oder die nahezu philosophische Glosse „Im nächsten Leben werd‘ ich Spielerfrau“. Ein liebevolles „Lied für Berlin“ und Kunzes ganz eigene Hommage an Lennons „Working Class Hero“ („Mach es wie ich“).

Hand aufs Herz – ich war nie ein großer Kunze-Fan, habe hin und wieder in die Alben rein gehört, kenne die spannendsten Sachen aus den 80ern und 90ern. Das Duette-Album „Ich bin“ fand ich dann sehr ansprechend und plötzlich ist der Kunze ständig in meinem Player. Und jetzt Räuberzivil: eines seiner besten Alben der letzten Jahre, vielleicht seiner ganzen Karriere. Da will man sich zurücklehnen und zwei Stunden zuhören. Nur rein – nicht wieder raus.