Helloween liefern ein neues, temporeiches Werk „Straight Out Of Hell“

VERÖFFENTLICHUNG» 18.01.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» , ,
  bei Amazon bestellen

Sie sind einfach nicht kaputt zu kriegen. Und das ist gut so! Oft wurden sie abgeschrieben – vor allem nach ihrer „Pink Bubbles“-Phase. Doch seit einigen Jahren geht es stetig aufwärts. „The Legacy“ war als „Keeper“-Sequel noch nicht der ganz große Wurf. Dann aber kam „Gambling With The Devil“, sehr melodisch mit einigen hymnischen Tracks, und schließlich „7 Sinners“, mit dem man Geschwindigkeit und Härte ins Bandgefüge zurück brachte. Jetzt heißt es, die Synthese aus den letzten beiden Werken zu schaffen. Und das gelingt, sonst würde sich die neue Scheibe nicht seit einigen Tagen in meinem Player breit machen.

Auf dem neuen Werk findet sich eine gesunde Mischung aus virtuosen, rauen und ruhigen Tracks. „Straight Out Of Hell“ ist ein Werk voller Spielfreude, mit komplexen Arrangements, starken Hooks und dichter Atmosphäre. Gleich die erste Auskopplung „Nabataea“ ist ein Ohrwurm, zu dem Deris‘ Stimme perfekt passt. Der Song erzählt von jener legendären Hochkultur, deren geheime Stadt „Petra“ erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde und um die sich etliche Sagen und Mythen ranken. Andi Deris ließ sich während eines Urlaubs zu diesem intensiven Song inspirieren und machte einen epischen Opener daraus, der alle Facetten der modernen Helloween zeigt.

Im weiteren Verlauf macht es Spaß zu hören, wie man die Ideen der beiden Vorgänger konsequent weiter entwickelt.  „Mit diesen Songs wird auch dem bequemsten Zeitgenossen mächtig der Arsch aufgerissen“, erklärt Michael Weikath. „Live Now“ und „Asshole“ sind echte Klopper klassischen Kalibers. Da gibt es aber auch „Burning Sun“, das Andi Deris als „superschnellen Weik-Geniestreich“ bezeichnet, und von dem es auf der Limited Edition eine Hammond-Version in Gedenken an den verstorbenen Deep Purple-Organisten Jon Lord gibt.

Insgesamt ist das neue Werk eine extrem schnelle Platte. Ruhig wird es mit der Ballade „Hold Me In Your Arms“. Manch einer mag sich an bisweilen poppigen Passagen stören, die ein klein wenig Disco-Feeling aufkommen lassen und bei denen ich immer an „I Was Made For Loving You“ denken muss. Doch damit lässt sich leben. Speed-Freunde finden genügend Ansatzpunkte, um darüber hinweg lächeln zu können.

In einstündiger Länge zelebrieren Helloween mal wieder Metal vom Feinsten, der hervorragend arrangiert und perfekt produziert ist. Es gibt keine Rückkehr zur Ausnahmeband der 80er – dafür reicht es nicht ganz, oder die Zeit ist einfach vorbei – aber es wird solider Metal geboten, so wie die Fans in hören wollen. Auf die Tour im Double mit Gamma Ray darf man nur gespannt sein. Im Großen und Ganzen bleibt zu bemerken, dass die Band auch nach 28 Jahren stets zu neuen Heldentaten fähig ist und mal wieder ein Album vorlegt, dass die Szene aufhorchen lassen wird. Straight und mit Seele!