„High Rise“ – Die Stone Temple Pilots wagen mit Chester Bennington einen Neuanfang

VERÖFFENTLICHUNG» 25.10.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Die Stone Temple Pilots zählen ohne Zweifel zu den einflussreichsten, aber auch unruhigsten Rockbands der letzten Jahrzehnte. Mit „Core“ und „Purple“ veröffentlichten sie 1992 und 1994 zwei grandiose erste Alben. Danach ging es langsam bergab. 2003 wurde die Band nach einer Prügelei zwischen Sänger Scott Weiland und Gitarrist Dean DeLeo vorläufig aufgelöst. Sieben Jahre später raufte man sich zwar wieder zusammen und schaffte mit dem Album „Stone Temple Pilots“ sogar ein mehr als respektables Comeback, die alte Dynamik wollte sich aber nicht mehr einstellen. So hielt der kalifornische Burgfriede auch nur weitere drei Jahre. Im Februar gab das Quartett auf seiner Homepage bekannt, dass man sich per „offizieller Kündigung“ endgültig von Scott Weiland getrennt habe. Die Stone Temple Pilots schienen Geschichte zu sein.

Doch jetzt haben sich Dean DeLeo, Bassist Robert DeLeo und Drummer Eric Kretz überraschend einen neuen Sänger ins schlingernde Boot geholt. Überraschend nicht nur deshalb, weil es sich dabei um Linkin Park-Frontmann Chester Bennington handelt. Der beabsichtigt übrigens in Zukunft zwischen seiner Stammkapelle und den Stone Temple Pilots hin und her zu pendeln. Wenn das mal gutgeht. Das erste Werk in dieser neuen Besetzung hört jedenfalls auf den hoffnungsfrohen Namen „High Rise“ und ist eine fünf Songs umfassende EP. Da stellt sich schon die Frage, warum man nicht gleich mit einem vollwertigen Album um die Ecke kommt, zumal alle Beteiligten ganz offensichtlich vom Erfolg der Zusammenarbeit überzeugt sind. Vielleicht will man mit „High Rise“ zunächst die Reaktionen der Fans ausloten. Ich wage mal die wenig kühne Vermutung, dass diese ziemlich zwiespältig ausfallen dürften.

Mit der emotionalen Schwere der früheren Stone Temple Pilots hat das neue Material nichts mehr zu tun. Alle Oldschool-Fans können an dieser Stelle also abschalten. Immerhin erreichte der Opener „Out Of Time“ kurz nach seinem Erscheinen Platz 1 der amerikanischen Mainstream- und „Active Rock“-Playlisten. Ein straighter Rocker mit einem sonnigen Gitarrensolo. Womit gleichzeitig aber auch schon klar ist, wo hier der Hase im Pfeffer liegt: Im Mainstream nämlich. „Same On The Inside“, „Cry Cry“ und „Black Heart“ sind einfach handwerklich perfekt gemachte Rockmusik. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Letzteres glänzt zumindest noch mit einer leicht bluesigen Note. Der einzige Song auf „High Rise“, der wirklich packt ist das abschließende hymnische „Tomorrow“. Dabei macht Chester Bennington seine Sache insgesamt gar nicht mal so schlecht wie insgeheim befürchtet.

Wohin also geht die Reise der Stone Temple Pilots diesmal? Für ein Urteil ist es sicherlich noch zu früh und „High Rise“ nicht mehr als eine erste vage Andeutung. Erfreulich ist, dass es überhaupt wieder etwas Neues aus San Diego zu vermelden gibt. Die Zeiten, in denen man die Stone Temple Pilots aus Hunderten von Bands heraushören konnte, scheinen allerdings vorbei zu sein. Die alles entscheidende Frage, ob das nun gut oder schlecht ist, wird letztlich erst das nächste Album beantworten können.

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