Humorvoller Retro-Pop mit schwedischem Akzent – Betty Dittrich präsentiert ihr Debüt „Gute Jungs, Böse Mädchen“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.02.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Ihr Plan, als deutsch singende Schwedin Deutschland in Malmö zu vertreten, ist zwar nicht aufgegangen, aber immerhin hat Betty Dittrich mit ihrer Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest ein breites Publikum auf sich aufmerksam gemacht. Die blonde Sängerin und Songwriterin wuchs als Kind einer Musikerfamilie mit deutschen Wurzeln in der Nähe von Malmö auf, entdeckte früh ihre Liebe zur Musik und später ihr Talent für deutsche Texte. Inzwischen lebt sie in Berlin und will nun mit charmantem Akzent und ihrem Debütalbum „Gute Jungs, Böse Mädchen“ den Rest der Republik erobern.

Ein schwedisches Mädchen, das einen deutschen Schlager trällert: Bei Bettys Auftritt mit „Lalala“ wurden unweigerlich Erinnerungen an Gitte, Wencke und Co. geweckt. Doch diese Schwedin hat weit mehr zu bieten – auf ihrem Album klingt auch die Neue Deutsche Welle oder französischer Girlie-Sound durch. Vor allem ist Betty aber textlich wesentlich frecher und offenherziger, als es sich ihre Kolleginnen der 60er je erlauben durften.

Gleich zu Beginn singt sie mit „Berlin, Berlin, Berlin“ ein Liebeslied für ihre neue Heimatstadt, die sie als „zum Sterben sexy“ beschreibt. Und mit „Vielleicht ja, Vielleicht nein“ bekennt sie sich äußerst charmant zu der Entscheidungsunfähigkeit, die Frauen ja öfter nachgesagt wird. „Böser Junge“ ist eine klare Ansage an alle etwas zu braven Jungs dieser Welt, und in „Hin und Her“ dokumentiert Betty gemeinsam mit Christian Kühn augenzwinkernd die typische Kommunikation deutscher Liebespaare.

Aber es geht nicht immer nur heiter zu auf diesem Album. „Komm nach Paris“ ist ein melancholischer Titel über enttäuschte Hoffnungen und „Whoohoo“ warnt vor den Folgen von leichter Verliebtheit in Verbindung mit zu viel Alkohol. Dass ein ausgelassenes Singleleben mit wechselnden Männerbekanntschaften auch nicht ganz das Wahre ist, besingt Betty in „Sophie Marceau“, und mit „Leider geschlossen“ gibt es eine richtig traurige Ballade, schön zart mit Gitarre und Glockenspiel untermalt.

Wer sich für „Gute Jungs, Böse Mädchen“ entscheidet, bekommt „ein kleines Stückchen blondes Gift, serviert mit rosa Zuckerwatte… gut verpackt auf Langspielplatte“ – wie es Betty selbst im letzten Song ausdrückt. Und das macht musikalisch interpretiert einfach großen Spaß. Also Tack så mycket, Betty, für das bisher beste Gute-Laune-Album des Jahres!