In Extremo – Kunstraub: Immer noch die Alten, die aber stets neue Wege gehen

VERÖFFENTLICHUNG» 27.09.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Da sind In Extremo mit ihrem neuen Album, das den Titel „Kunstraub“ trägt. Ihre letzten, überaus erfolgreichen Releases „Sängerkrieg“ und „Sterneneisen“ haben schon einen Weg vorgezeichnet, der weiter weg vom urtypischen Mittelalterrock führt. Stattdessen hören sich In Extremo heute an wie eine Mischung aus Unheilig, den Toten Hosen und Santiano. Das mag einigen Fans der Anfangszeit sauer aufstoßen, doch der Erfolg gibt der siebenköpfigen Band aus Berlin Recht. Um sich breite Käuferschichten zu erschließen, braucht es radiotaugliche Hits. Und gewisse Alleinstellungsmerkmale sind ja weiterhin vorhanden: die Verwendung mittelalterlicher Instrumente wie Sackpfeife, irische Harfe, Drehleier, Flöte und Schalmei.

Der Titel „Kunstraub“ entlehnt sich einem Presseartikel, den Dr. Pymonte Ende 2012 in der Zeitung entdeckte. Ausgerechnet sieben Meisterwerke sind in Rotterdam gestohlen worden – die magische Zahl. Die übrigen sechs Mitglieder der kunstsinnigen Band stimmten sofort zu. Das Ergebnis liegt nun ein Jahr später vor. Ein durch und durch rockiges Album, das Freunden härterer, deutschsprachiger Musik gefallen dürfte.

Gerade Titel wie „Gaukler“, „Kunstraub“ und „Feuertaufe“, die in der Mitte des Albums platziert sind, gehen gleich ins Ohr. Das schmückende mittelalterliche Beiwerk ist zwar zugunsten harter Gitarren in den Hintergrund gerückt, aber immer noch deutlich hörbar. Von den letzten Alben sind wir eine solche Vorgehensweise ja schon gewohnt. Leider gibt es diesmal keine Texte in extravaganten Sprachen wie Mittelhochdeutsch, Latein oder Hebräisch. Das ist ein Element, das ich definitiv vermisse.

Mir gefallen die Dudelsack-Melodien von „Der die Sonne schlafen schickt“ und „Himmel und Hölle“. Balladen gibt es kaum – im Prinzip geht nur „Alles schon gesehen“ in die ganz ruhige Richtung. Und danach gibt es mit „Belladonna“ und „Die Beute“ zum  Abschluss zwei Songs, die sich vom Härtegrad Richtung Schandmaul oder gar Rammstein orientieren. Damit gewinnt das Album nach vielen verhaltenen Momenten eine hohe Vielseitigkeit.

Wem die Linie gefällt, die Das letzte Einhorn, Van Lange, Die Lutter, Dr. Pymonte, Flex der Biegsame, Yellow Pfeiffer und Specki T.D. in den letzten Jahren eingeschlagen haben, der wird auch von „Kunstraub“ nicht enttäuscht sein. Auf die Live-Umsetzung der neuen Stücke bin ich auf jeden Fall sehr gespannt. Spätestens dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen und In Extremo können ihre wahre Stärke zeigen.

Tourdaten:

21.10. Lingen, Alter Schlachthof
25.10. Köln, E-Werk
26.10. Hannover, AWD Hall
01.11. Hamburg, Sporthalle
02.11. Leipzig, Haus Auensee
09.11. Stuttgart, Porsche Arena
15.11. Weissenhäuser Strand, Paradise Festival
16.11. Berlin, Columbiahalle
23.11. München, Zenith
28.11. Mainz, Phönixhalle
29.11. Erfurt, Thüringenhalle
30.11. St. Ingbert, Mechanische Werkstatt
13.12. Geiselwind, Eventhalle
14.12. Ilsenburg, Harzlandhalle