Ina Müller – „48“: Nicht faltenfrei, aber mitten im Leben

VERÖFFENTLICHUNG» 25.10.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die 40 ist für viele Frauen eine gefürchtete Grenze, ab der man sein wahres Alter gerne mal verschweigt. Ina Müller aber nennt ihr neues Album ganz selbstbewusst „48“. Und neben gesunder Selbstironie schwingt da bestimmt auch etwas Stolz mit – schließlich ist die gestandene Künstlerin gerade so erfolgreich wie nie zuvor.

Die 13 neuen Songs für „48“ hat Ina erstmals gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Musikerkollegen Johannes Oerding gemeinsam komponiert. Aber auch ihr langjähriger Texter Frank Ramond war wieder mit im Boot. Entstanden ist ein Album mitten aus dem Leben, auf dem die Sängerin gekonnt zwischen Humor und gelegentlicher Melancholie balanciert und menschliche Schwächen mit Wortwitz und beinahe philosophischem Scharfsinn analysiert. Keiner hat etwa je vorher so treffend besungen, wie nachlassende Leidenschaft in einer langjährigen Beziehung durch hemmungslosen Konsum kompensiert wird, wie Ina mit „Sie schreit nur noch bei Zalando“. Eine beinahe logische Fortsetzung ist da die Lobeshymne an „Schuhe“, die einen im Gegensatz zu Männern oder Autos nie im Stich lassen.

Manchmal nehmen Inas Lieder überraschende Wendungen, wenn etwa die Meckertirade in „Wenn du nicht da bist“ in ein kompromissloses Liebesbekenntnis mündet. Und oft sind es auf diesem Album auch ernste Themen, die die Künstlerin bewegen, etwa der Tod eines Freundes in „Pläne“ oder der schwierige Balanceakt zwischen Freiheit und Treue in der Pianoballade „Einen im Sinn“. Dann wieder beklagt sie humorvoll die Nebenwirkungen des Alterns in Spieglein, Spieglein – wobei man ihr das Leiden unter tiefen Falten angesichts der schmeichelhaften Fotos im Booklet nicht so recht abnehmen mag. Dafür überzeugen die wunderbaren Liebeslieder „Nach Hause“ und „Aber dich“ und zeugen von ihrem persönlichen Glück.

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