Incubus mit ihrer einzigartigen Live-Dokumentation „HQ live“

VERÖFFENTLICHUNG» 10.08.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Es gibt immer mal wieder Bands, die vorexerzieren, wie man echte Fannähe praktiziert. Durch Fanzines, Fanclub-CDs, spezielle Konzerte oder Events. Die Kalifornier von Incubus haben hier ordentlich vorgelegt und sich zum 20. Geburtstag etwas ganz Besonderes einfallen lassen:  Letztes Jahr im Sommer feierten sie sieben Tage lang in einer angemieteten Gallerie in Downtown Los Angeles. Sechs dieser sehr intimen Konzerte wurden mitgeschnitten und auf dem Live-Package „HQ live“ veröffentlicht.

Die 130minütige DVD zeigt die Exklusivität des Ereignisses. Ursprüngliche Idee war es, ausgewählte Fans ins heimische Wohnzimmer einzuladen. Daraus wurde nun aus Platzgründen besagte Kunstgallerie in Los Angeles, doch auch hier geht das Wohnzimmer-Feeling nicht verloren. Die Band steht inmitten des Raumes, die Zuschauer locker drum herum gruppierte. Sitzend oder stehend, mit kleinen Kindern auf dem Arm. An die Wände sind zum Teil Fanfotos projiziert. Die Anwesenden haben die Wände mit bunten Bleistiftzeichnungen bemalt. Ein durch und durch lockeres Event.

Ebenso locker ist auch die Band – allen voran Brandon Boyd, der immer noch wie ein junger Hüpfer agiert und dem man die lange Bandgeschichte absolut nicht ansieht. Die Setlist war jeden Abend anders. So spielten Incubus am ersten Abend sechs Songs vom „Morning View“ Album („Nice To Know You“, „Circles“, „Wish You Were Here“, „Are You In?“, „Riders On The Storm“,  „Aqueous Transmission“) am Abend Nummer zwei stand „Make Yourself“ mit sechs Songs im Mittelpunkt des Gigs („Privilege“, „The Warmth“, „Stellar“, „Make Yourself“, „Drive“, „I Miss You“). Und erst am vierten Abend wurden dann die ersten, bis dato noch neuen Songs, von „If Not Now, When?“ den Fans präsentiert, die auch weltweit an ihren Computern an diesen Events teilhaben konnten.

Das Zusammenwirken mit dem Publikum war einzigartig. Ein weiblicher Fan sang „Promises, Promises“, es fand ein Drumworkshop statt und Brandon nannte Fans in den Ansagen beim Namen (vor allem die Kleinsten). Auf DVD gibt es zwischendurch Statements der Anwesenden und immer wieder einen Blick hinter die Kulissen.

Boyd schwärmt in den Linernotes von diesen unvergesslichen Konzerte: „So I guess for those of you who were watching online, for those of you who were in the room, and even you guys that will experience it long after the fact, what this experiment allowed is a small insight into the potential of the creative experience!  The quiet knowing that under the right circumstances, we all can be witness to how inter¬connected all of us actually are.  Be it through the making of art, the witnessing of art, and or the memory of a time in art.  It only exists because we are all there existing IT together!  And I think this is where I say, ‘Thanks for that’.“

Die beiden Audio-CDs sind nicht minder ausgereift. Insgesamt 28 Titel, die den Geist der Abende gut einfangen. Im Booklet kann jeder nachlesen, welcher der Songs an welchem Abend gespielt wurde. Und die Zusammenstellung hat teilweise Best-of-Charakter, enthält aber auch selten gespieltes Material. Das Artwork des Digipacks besteht aus Bandfotos und Abdrucken vieler Zeichnungen, die es an den Wänden der Kunstgallerie zu sehen gab. Ein einzigartiges Dokument einer wundervollen Konzertreihe. Da dürfen sich andere Bands gern ein Beispiel nehmen.