Incubus präsentieren ein Doppel-Album mit „The Essential“

VERÖFFENTLICHUNG» 19.10.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Mit „The Essential“ veröffentlicht dieser Tage eine der interessantesten amerikanischen Bands aus der Alternativ-Rock- und Crossover-Szene ein karriereumspannendes Best Of-Album. Bereits ihr zweites nach „Monuments And Melodies“ von 2009. Die Rede ist von Incubus. Wie so oft im Falle derartiger Zusammenstellungen kann man über Sinn und Zweck trefflich streiten. Immerhin haben Incubus mit „The Essential“ für ihre Fans ein wahrlich fettes Paket aus 28 Songs geschnürt, chronologisch verteilt auf zwei CDs.

1991 im sonnigen Kalifornien gegründet, erinnerte der Sound von Incubus zunächst stark an Bands wie Rage Against The Machine oder die Red Hot Chili Peppers. Erst gegen Ende des letzten Jahrtausends wandte sich das Quintett stärker dem Mainstream zu und schaffte mit der Singleauskopplung „Drive“ vom Album „Make Yourself“ den Durchbruch. Alle darauffolgenden Alben konnten sich in den Top 5 platzieren, so auch das vorläufig letzte „If Not Now, When?“ von 2011. Parallel dazu nutzten Brandon Boyd und Co. ihren zunehmenden Einfluss für ein verstärktes politisches Engagement, das sich inzwischen nicht nur in ihren Texten, sondern auch in der 2003 gegründeten Stiftung „Make Yourself Foundation“ widerspiegelt. Diese Entwicklung lässt sich nun anhand von „The Essential“ noch einmal wunderbar nachvollziehen. Die begleitenden Liner-Notes im Booklet schrieb der amerikanische Musikjournalist Gary Graff.

„The Essential“ enthält außer von ihrem Debüt „Fungus Amongus“ aus jedem der bislang sieben Incubus-Alben mindestens einen Titel. „Morning View“ von 2001 darf gleich deren fünf beisteuern. Die EPs „Enjoy Incubus“ (1997), „When Incubus Attacks“ (2000) und „Alive At Red Rocks“ (2004) sind ebenso vertreten wie das punkig angehauchte Stück „Make A Move“ vom „Stealth“-Soundtrack aus dem Jahr 2005. Eine gute Mischung.

Anfangs noch wüst, roh und aggressiv („Version“) vollziehen Incubus spätestens ab „Stellar“ von 1999 erste Schritte in Richtung Alternative-Rock. Was bleibt sind zunächst die typischen Scratching-Elemente, die in „Redefine“ noch Gavin „DJ Lyfe“ Koppel beisteuert, der die Band jedoch 1998 im Streit verlässt. Seinen Part übernimmt bis heute DJ Chris Kilmore. Zwischendurch wagen Incubus mit „Summer Romance (Anti-Gravity Love Song)“ sogar einen Ausflug in jazzige Gefilde. Zu den Perlen auf CD 1 gehören das halbakustische „Drive“, das sphärische „Wish You Were Here“ und das grandiose „Nice To Know You“.

CD 2 geht mit dem rockigen „Megalomaniac“ gleich in die Vollen. Dass sie es auch extrem gefühlvoll können, beweisen Incubus mit „Monuments And Melodies“. Später werden sie dann allerdings etwas arg zahnlos, wie in „Promises, Promises“ oder „In The Company Of Wolves“ von „If Not Now, When?“. Die Perlen auf der zweiten Scheibe heißen „Talk Shows On Mute“ und „Dig“.

Alles in allem ist „The Essential“ eine gelungene Retrospektive der musikalischen Wandelbarkeit von Incubus. Ich persönlich stehe mehr auf den Mischmasch aus Metal, Funk und Hip Hop aus ihren Anfangstagen, andere mögen die romantische Seite der Band vorziehen. Schade ist nur, dass ihnen die Experimentierfreude in den letzten 21 Jahren irgendwie abhanden gekommen zu sein scheint und sie sich mittlerweile hier und da in Belanglosigkeit verlieren (Beispiel: „Black Heart Inertia“). Halten wir es deshalb einfach wie Mike Einziger: „All diese Musik kam aus unseren Herzen. Die Stücke sind Repräsentanten für verschiedene Perioden in unserem Leben, für Erfahrungen, die wir gemacht haben. Noch einmal zurückzublicken und sie zu hören ist für uns, als würden wir alte Filme anschauen“.