Interpol – El Pintor: Interpol malen weiter große Soundcollagen

VERÖFFENTLICHUNG» 05.09.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Mit dem Ausscheiden wichtiger Bandmitglieder gehen Bands ganz unterschiedlich um. Manche haben schon den Neuen in der Hinterhand, kurze Auswechslung, einige Probegigs und weiter geht’s. Andere hingegen werden vor eine existenzielle Krise gestellt. So auch Interpol, als ihr Bassist Carlos Dengler 2010 nach den Aufnahmen für das letzte Album die Band verließ. Abschließende Konzerte (im Fall von Interpol waren es mehr als 200!), und dann – Funkstille. Paul Banks, Daniel Kessler und Sam Fogarino nahmen sich eine Auszeit von drei Jahren und lange Zeit war nicht zu ergründen, ob die Band überhaupt noch existierte.

Zum Glück geht’s weiter und das fünfte Album „El Pintor“ veröffentlicht die 1997 in New York City gegründete Band als Trio. Für Live-Auftritte gab es ohnehin wechselnde Keyboarder und am Bass ist 2010 David Pajo eingesprungen. Auf dem Album spielt aber Banks die Bass-Parts. „Ohne Carlos aufzunehmen war eine große Veränderung. Wir haben uns sehr damit auseinandergesetzt, unseren Kreis geschlossen und damit gearbeitet, was wir hatten“, sagt Kessler zum Prozedere. Und das Ergebnis ist dann doch eine astreine Interpol-Platte geworden, inklusive Postpunk-Attitüde und der typischen New Wave-Melancholie vergangener Jahrzehnte.

Der Albumtitel ist zum einen ein Anagramm aus den Buchstaben des Bandnamens, zum anderen heißt „El Pintor“ übersetzt aus dem Spanischen: der Maler. „My Desire“ war ein überzeugender Vorbote. Pochende Beats, eindringliche Gitarren – ein Zeichen dafür, dass es künftig weniger Keyboardeinsätze geben wird. Das zieht sich durch das komplette Album. Dazu kommen Pauls lässige Bariton-Stimme und die prägnanten Drum-Parts von Fogarino.

„All The Rage Back Home“ ist ein überzeugender Opener und im Albumverlauf erlauben sich Interpol keine Ausrutscher. Die Songs klingen sehr stimmig und mit Tracks wie „Anywhere“ bisweilen auch tanzbar. Alles in allem haben Banks und Co. den Drang zu großen Soundcollagen nicht verloren und lassen stilistisch keine Federn. Die Indie-Gemeinde wird das Album zu Recht abfeiern. Ist ja auch schön, wenn man seine Helden zurück hat.

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