Jan Delay zelebriert seine Kehrtwende zum Rock mit „Hammer & Michel“

VERÖFFENTLICHUNG» 11.04.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Jan Delay hat seinen musikalischen Wandel zum gestandenen Rocker gekonnt zelebriert. Warum ist auch bisher noch kein anderer auf die Idee gekommen, einen Song namens „Wacken“ zu schreiben und die Heavy-Metal-Gemeinde in den Zwiespalt zwischen Ablehnung und Bewunderung zu führen? „Tschüss ihr Spacken / ich will hier weg / ich geh nach Wacken“. Grandios erzählt er in den Lyrics seine Beweggründe: „Irgendwie ist alles festgefahren / und es ist an der Zeit für ein Wechselbad / da mir Wiederholen nicht gefällt“.

Was Jan Philipp Eißfeldt alias Jan Delay jetzt geschaffen hat, ist rockige Gitarrenmusik zum Tanzen. Etwas völlig Neues für den ehemaligen HipHopper, Reggae-Künstler und Soulman. Trotzdem eine logische Weiterentwicklung, die irgendwie alles bisher musikalisch Geschaffene in sich vereint und Delays näselnde Stimme als Bindeglied mit sich bringt. Wer schon „Oh Jonny“ mochte, wird sich im neuen Release absolut wiederfinden.

Mit „Liebe“ geht es noch verhalten los, doch schon „Dicke Kinder“ ist ein echter Knaller. Witziger Text mit erhobenem Zeigefinger und pädagogisch-motivierter balladesker Gesangseinlage. Das erste Highlight des Albums schon mit Track 2. „Sie kann nicht tanzen“ geht in die Beine und ist voller Energie. Jan Delay verwurstet alle Spielarten des modernen Pop und Rock. Ja, es gibt auch mal erdige Klänge à la Nina Hagen und Udo Lindenberg, oder dann doch die gewohnten Bläsereinlagen, die wir bei Jans Disko No. 1 so schätzten.

Eine „Scorpions-Ballade“ darf auf einem echten Rockalbum nicht fehlen. Dass er selbige dann genau so genannt hat, ist an Ironie nicht zu überbieten. Jan Delay liefert die perfekte Blaupause, die dem Genre den Spiegel vorhält. Und das Album ist erst zur Hälfte vorbei. Die Single-Kracher „Wacken“ und „St. Pauli“ folgen erst noch. Mein Highlight im zweiten Teil ist allerdings der Party-Kracher „Nicht eingeladen“. Ein hämischer Ich-werd’s-euch-allen-zeigen-Song im Stil von „Zu spät“ der Ärzte. Klasse umgesetzt und mit der vollen Dröhnung. Da stört es auch nicht weiter, dass für „Hertz 4“ und „Kopfkino“ das Tempo merklich gedrosselt wird.

Jan Delay hat sich ein Ziel gesetzt und es problemlos erreicht. Mit diesem Album kann er die Rock-Arenen stürmen und stößt trotzdem alte Fans nicht vor den Kopf. Die Soulrebellen, der Mercedes Dance, Disko No. 1 und die rockige Gegenwart können locker nebeneinander stehen und ich freue mich schon auf die energiegeladenen Konzerte im Herbst.

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