Janelle Monáe – „The Electric Lady“: Eine musikalische Reise in die Zukunft und durch die Welt der Black Music

VERÖFFENTLICHUNG» 13.09.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

Als Janelle Monáe vor drei Jahren ihr erstes Album „The ArchAndroid“ vorlegte, war klar, dass etwas ganz Großes auf die Popwelt zukommt. Im Nachgang gab es Kollaborationen mit einer Reihe beeindruckter Kollegen, mehrere Grammy-Nominierungen und den MTV Video Music Award 2013. Das neue Album enthält Features von Erykah Badu, Esperanza Spalding und eine der seltenen Gast-Performances von Prince. Das zu ihrem momentanen Stellenwert.

Die Erfolgsstory begann im Jahr 2007. Damals erschien die EP „Metropolis“ als Suite 1 einer auf mehrere Teile angelegten Geschichte. Wenn es sich auch nicht um eine fortlaufende Erzählung handelt, basiert die Idee doch auf dem gleichnamigen Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1927. Protagonistin ist Janelles Alter Ego, die Androidin Cindi Mayweather. Da Janelle in ihrem Selbstbewusstsein die Metropolis-Suite von Beginn an auf vier Teile angelegt hatte, sollte das erste Longplay-Album zunächst den Titel „Suites 2 & 3“ tragen. Da das wohl nicht gerade verkaufsfördernd war, versteckte sich diese Angabe dann etwas verschämt im Untertitel sowie den Ouvertüren und machte den Weg frei für „The ArchAndroid“ – eine musikalische Reise durch die Welt der Black Music.

Diese Reise wird nun mit „The Electric Lady“ fortgesetzt, das die Suites 4 & 5 enthält. Janelle steckt mal wieder eine solche Zahl von Einflüssen in ihren Cybertrip, dass man dies kaum in Worte zu fassen wagt. Wie es sich für ordentliche Suiten gehört, kommen große orchestrale Arrangements zum Einsatz und die musikalischen Versatzstücke gehen häufig ineinander über. Janelle zeigt eine unglaubliche Palette stimmlicher Möglichkeiten, wenn sie von R&B zu HipHop und von Soul zu Funk wechselt. Da steckt eben so viel Judy Garland drin wie Lady Gaga. Blues, Pop, sogar einige rockige Elemente finden in diesem Parforceritt durch die schwarze Musik Platz. Während Janelle in Suite 4 noch den Popsternchen unserer Tage zeigt, wie man intelligente Popmusik macht, wird es auf Suite 5 ruhiger. Viel Soul, etwas Jazz, ein wenig Gospelmusik und leichte James Bond-Anleihen.

Einerseits gefällt es mir, dass Janelle die SF-Story fortführt und die Idee konsequent aufrecht erhält – jetzt sogar über die ursprünglich geplanten vier Suiten hinaus. Doch die eingestreuten Radiosequenzen mit hektischem Moderator und dämlichen Zuschauerfragen nerven auf Dauer sehr. Vielleicht soll es eine Hommage an H.G. Wells sein, doch interessierte Hörer können der Geschichte auch über die Lyrics folgen. Zumindest gelingt es Janelle weiterhin, ihre Musik zum Gesamtkunstwerk zu machen und unbeirrt der Single-Wünsche ihrer Plattenfirma in die Zukunft zu tragen.