Jazz meets Prog and Alternative: Motorpsycho und ihr neues Album „Still Life With Eggplant“

VERÖFFENTLICHUNG» 12.04.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Lange Zeit waren Motorpsycho auf die Arbeit an ihrer Rockoper „The Death Defying Unicorn” fokussiert. Bei einem solch monumentalen Konzeptalbum ist klar, wohin die Reise führt, welche Songs dazugehören und welche nicht. Es verwundert also nicht, dass in den drei Jahres einiges an Songmaterial entstand, das zunächst hinten an gestellt werden musste. Dass es 20 Stücke geworden sind, von denen nun fünf den Weg auf die aktuelle Scheibe „Still Life With Eggplant” gefunden haben, ist ein erneuter Beleg für die zügellose Schaffenskraft der Norweger. Es lässt sich somit schon jetzt absehen, dass es in absehbarer Zeit die nächste Veröffentlichung geben wird.

Verharren wir aber noch einen Moment im Hier und Jetzt, im Stillleben mit Aubergine, einem Album, das weder einem Konzept folgt, noch eine einheitliche Stilrichtung hat. Dem aufmerksamen Motorpsycho-Fan ist der Opener „Hell” schon bekannt. Unter dem Namen „Dog Parade” wurde er auf der Tour 2011 z.B. in Düsseldorf gespielt. Gespickt mit grandiosen Riffs und nach vorne peitschendem Bass ist es ein echter Hinhörer. Der Doppelgesang schmiegt sich an das stonerlastige musikalische Fundament an. Als besondere Würdigung erhält das Stück sowohl einen verheißungsvoll großspurigen Prolog, als auch einen groovigen Ambient-Epilog. Als Gesamtpaket namens „Hell, Part 1-3” einfach umwerfend.

Ab „August”, einem Cover der 60er Jahre Band „Love”, kommt Reine Fiske mit ins Spiel. Als langjähriger Bekannter und Bewunderer Motorpsychos unterstützte der schwedische Gitarrist nicht nur die Studioaufnahmen, sondern macht auch bei der anstehenden Tour aus der Band ein Quartett. Mit seinem Zutun wird das sonnige „August” im zweiten Teil durch ein irrwitzig verspieltes Jazzkarussel gezwirbelt.

An Simon & Garfunkel erinnert der Gesang in „Barleycorn”. Die Akustik-Gitarre prägt entsprechend weite Teile des Songs, der vor allem vom Antagonismus zwischen ruhigen Strophen und pathetischem Refrain lebt. Allein schon wegen seiner epischen Länge von über 17 Minuten drückt „Ratcatcher” dem von Bassist Bent Sæther selbst produzierten Album seinen Stempel auf. Hier heißt ein entscheidendes und seit dem Einstieg von Kenneth Kapstad an den Drums immer häufiger eingesetztes Stilmittel Jazz. Über weite Strecken dürfen sich die Gitarren auf dem eigens für sie ausgebreiteten Klangteppich räkeln.

Äußerst harmonisch und zart besaitet beginnt schließlich „The Afterglow”, bis Akustik- und E-Gitarre ein wundervolles Duett zum Besten geben. Hans „Snah” Ryan’s Spiel lässt hier noch einmal erahnen, wie sehr ihn bei den Aufnahmen im Brygga Studio Trondheim das Zusammenspiel mit Fiske inspirierte. Ob das auch auf der Bühne so sein wird, darüber kann man sich in wenigen Wochen selbst ein Urteil bilden. Dies ist als Empfehlung zu verstehen, auch wenn selbst Motorpsycho-Fans, angesichts des riesigen Backkatalogs und der Experimentierfreude der Band, nicht vorhersagen können, wie diese Abende klingen werden. Obwohl, die Anzeichen für eine Wiederbelebung des 90er-Albums „Blissard“ sind unübersehbar. Jazz meets Prog and Alternative, klingt doch vielversprechend, oder?

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