Jennifer Rostock – die erste Live-CD/DVD „Live in Berlin“

VERÖFFENTLICHUNG» 10.08.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

2008 legten die Berliner ein beachtenswertes Debüt vor, das sich wohltuend von der Schwemme deutschsprachiger Rockbands mit weiblichen Vocals abhob. Energiegeladen und authentisch, mit ironischen Texten – auch heute noch ein Dauerbrenner in meinem Player. In nur fünf Jahren haben sich Jennifer Rostock ihren Ruf als lauteste, wildeste, wahnsinnigste, unbeständigste, schrillste und kreativste Band ehrlich erspielt. Drei Alben brachten sie mit steigendem Erfolg in die Charts – mit dem jüngsten, „Mit Haut und Haar“, katapultierten sie sich im vergangenen Jahr auf Platz 4. Jetzt präsentieren sie ihre erste Live-DVD/CD.

Jennifer Rostock sind erfrischend anders und gehen ungewöhnliche Wege. Musikalisch blieb allerdings auch für das dritte Album, das sie hier live präsentieren, alles beim Alten. Unbeeindruckt von modischen Spielchen und dem Zwang, unbedingt etwas Neues bieten zu müssen, bleibt sich das Quintett stilistisch treu und arbeitet weiterhin mit der gleichen Mischung aus NDW-Sound, elektronischen Elementen und einer gehörigen Portion guter Rockmusik – wie dies schon bei den Vorgängern der Fall war. Die Texte sind noch ein Stück frecher geworden und bleiben gut im Ohr hängen. Satte 15 Live-Tracks sorgen für einen audiovisuellen Wahnsinn für jede Gelegenheit.

Zu den Highlights des Konzerts gehört die basstreibende Rapversion von „Du willst mir an die Wäsche“, auf der Sängerin Jennifer Weist sich einen Battle mit Sido liefert. Außerdem gibt es das emotionale „Insekten im Eis“ feat. Jupiter Jones im Duett von Jennifer und Nichi. Und als weitere Gäste auf dem Konzert kann man zudem Egotronic, Frau Potz und Nico von War From A Harlots Mouth erleben. Auch die optische Umrahmung passt: Das Konzert wurde in einem ehemaligen Schwimmbad in Berlin-Wedding mitgeschnitten. Street-Art-Künstler und erstklassige Bühnenbauer sorgten für einen würdigen Rahmen, der den perfekten Hintergrund für die DVD-Veröffentlichung bildet.

Alles in allem setzen Jennifer und ihre Kollegen auf klare Ansagen und allgegenwärtige Tanzbarkeit. Hinzu kommt die Berliner Schnauze, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Jennifer Weist flirtet mit Jungs wie Mädels. Stets liegt ihr ein handfester Spruch auf den Lippen und sie kokettiert damit, dass ihre gute Figur und die knappe Arbeitskleidung die versammelte Mannschaft anmachen.

Das Publikum ist fest in Jennifers Hand. Die Texte sind durchweg klare Statements. „Der Kapitän“ verhackstückelt autobiographisch die Erfahrungen aus dem Showgeschäft und am Ende gibt es auch „Nenn mich nicht Jenny“, das ich bei keinem ihrer Konzerte missen möchte. Die hübsche Jennifer möchte nicht Jenny genannt werden (ihr gutes Recht) und macht dies in der Klimax des Songs mit immer lauter werdenden Worten deutlich – bis zum genervten Rausbrüllen der Phrase zum Songende. Ein Sich-verausgaben bis zur letzten Minute. Das soll auch das Fazit für dieses geile Konzert sein. Absolute Kaufempfehlung!

Tracklist von CD und DVD sind gleich – die visuelle Variante enthält als Zusatz ein „Making Of“ und „Outtakes“.