Jethro Tulls „A Passion Play“ wird in einer „Extended Performance“ von Steve Wilson neu belebt

VERÖFFENTLICHUNG» 11.07.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
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Steve Wilson, der Tausendsassa des Progressive Rock, nimmt sich ein klassisches Album nach dem anderen vor und zaubert neue, göttliche Sounds. King Crimson waren schon seine willkommenen Opfer, Gentle Giant sind in Kürze dran – doch zunächst darf ein weiteres Werk von Jethro Tull dran glauben.

Der Backkatalog von Jethro Tull ist es allemal wert, heutzutage neu gewürdigt zu werden. Das hat schon mit „Aqualung“ und vor allem mit „Thick As A Brick“ zu deren 40jährigen Jubiläen hervorragend funktioniert. Und jetzt ist (auch chronologisch gesehen) ein Werk an der Reihe, dass zunächst unter gar keinem so guten Stern Stand. Wie soll man die genannten Meisterwerke auch noch toppen? Für die Band um Mastermind Ian Anderson ein schwieriges Unterfangen.

Aus steuerlichen Gründen hatte man sich im Château D’Herouville bei Paris einquartiert, um ein neues Konzeptalbum zu kreieren. Aus vielen Gründen sollte nichts draus werden – seien es technische Probleme, Ungeziefer oder eine Lebensmittelvergiftung. Unverrichteter Dinge kehrte man nach England zurück und verwendete nur Fragmente für das Album „A Passion Play„. Andere Elemente wurden bei späteren Alben verwertet und 1993 veröffentlichten Jethro Tull die Compilation „Nightcap – The Unreleased Masters“, die auf Disc 1 große Teile der Château-Tapes enthielt.

Steve Wilson tut nach Sichtung des Materials das einzig Richtige: Er arbeitet die Historie neu auf und liefert uns gleich zwei Alben, nämlich einen neuen Mix von „A Passion Play„, wahlweise in Stereo (CD) oder im 5.1 DTS und AC3 Dolby Digital Sourround Sound (DVD). Außerdem werden die  Château-Sessions erneut zum Leben erweckt.

Das Original-Album erfährt eine Auffrischung, die schon auf CD (für längere Autofahrten) wunderbar wirkt, im DVD-Audio-Format aber nochmal deutlich zulegt. Wilson holt als Perfektionist im besten Sinne des Wortes ordentlichen Raumklang aus den Aufnahmen und beherrscht das Spiel mit Höhen und Tiefen bis ins kleinste Detail. Es ist immer ein Genuss, seinen Mixen zu lauschen. Und das, obwohl „A Passion Play“ alles andere als leicht konsumierbar ist. Gegenüber den Vorgängern geht dem Album einiges an Leichtigkeit und eingängigen Folk-Elementen ab. Stattdessen herrschen komplizierte Rhythmen und Texte, denen man nicht so leicht folgen kann wie den Eskapaden von Gerald Bostock.

Die Château-Sessions erlauben dann einen unverstellten Blick auf die ersten Ideen jener Zeit und funktionieren durchaus als eigenständiges Album. Großartiger Progressive Rock, der mit ausgiebigen Instrumentalparts glänzt und auch soundtechnisch den nötigen Zusammenhalt erfährt. Fans der frühen Phase von Jethro Tull werden begeistert sein und selbst wenn sie „Nightcap“ schon kennen einige neue Facetten entdecken.

Großes Plus der Veröffentlichung ist mal wieder die Aufmachung im DIN-A5-Hardcover-Buch mit vielen informativen Seiten: Martin Webb berichtet in einem ausführlichen Essay aus der Entstehungszeit des Albums, Steven Wilson lässt sich zu seiner Mix-Tätigkeit aus und es gibt neben den Lyrics und einer Tour-Historie massenweise wertvolle Fotos. Das Paket macht sich definitiv gut im DVD-Regal, wenn auch der visuelle Teil auf einige Clips zur Passion-Play-Tour und das Video „The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles“ beschränkt ist.

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