John Lees lässt Barclay James Harvest weiter leben – mit den filigranen Klängen von „North“

VERÖFFENTLICHUNG» 11.10.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Wenn das Tischtuch zwischen ehemaligen Bandmitgliedern einer großen Band zerschnitten ist, kommt es gerne mal zu Auswüchsen in den neuen Bandnamen. So auch bei solch illustren Wortungetümen wie John Lees’ Barclay James Harvest und der anderen Seite, die als Barclay James Harvest featuring Les Holroyd firmiert. Ich will mich jetzt auch gar nicht darüber auslassen, welche der beiden Bands den legitimen Nachfolgeanspruch für sich gepachtet hat oder wer gar besser ist. Wenden wir uns doch lieber dem Album zu.

Was soll man erwarten, wenn es 14 Jahre lang ruhig um eine Band war? Es gab zwar eine ungebremste Live-Präsenz, aber keinerlei neue Musik. Wer sich so lange Zeit lässt, sollte eigentlich ein hymnisches Meisterwerk vorlegen. Diese Erwartung wird allerdings enttäuscht. John Lees legt ein solides BJH-Album vor, ohne Frage, doch die Zeiten der wegweisenden großen Hits sind definitiv vorbei. Stattdessen gibt es einen beschaulichen Start mit folkigen, akustisch anmutenden Klängen.

Was direkt auffällt ist die Länge der Songs. Man lässt sich ordentlich Zeit, um die Tracks filigran aufzubauen. „Ancient Waves“ und „On Leave“ klingen sehr stark. Später geht es noch deutlicher Richtung Folkrock („Unreservedly Yours“), wir hören einen düsteren Rocksong (den Titeltrack „North“) und den orchestral unterlegten Sprechgesang von „The End Of The Day“. Neun Songs in 55 spannenden Minuten. Diese Prog-Dimension schafft John Lees auch heute, mit 66 Jahren, noch.

Die Zeit ist nicht spurlos an dem Gründungsveteranen John Lees vorüber gegangen. Dennoch wird Musik vom Feinsten geboten und ehrlich gesagt vermisse ich Les Holroyd auch gar nicht. Es ist die filigrane instrumentale Arbeit, die den Sound von Barclay ins dritte Jahrtausend transportiert. Allerdings ist der Tod von Woolly Wolstenholme im Jahr 2010 ein großer Verlust, der nicht spurlos an der Band vorüber geht. Das Album „North“ soll an ihn erinnern – und die Special Edition enthält einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2011, der schon länger geplant war aber ungewollt zum Gedächtniskonzert für Wooly wurde.

John Lees North hier bestellen!