Jupiter Jones „Glory.Glory.Hallelujah“ – feiern sich selbst

VERÖFFENTLICHUNG» 25.07.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die letzten Neuigkeiten über Jupiter Jones waren nicht unbedingt gute. Im März zwang die immer wieder auftretende Angststörung von Sänger Nicholas Müller die Band zur Absage ihrer Clubtour. Zwei Monate später wurde dann sein endgültiger Ausstieg verkündet: „Es gibt keinen guten Weg zu beschreiben, was wir nun zu sagen haben – deswegen tun wir es direkt vorneweg: Nicholas hat sich dazu entschlossen, die Band zu verlassen“, so lautete der zentrale Satz des Statements. Inzwischen ist mit Sven Lauer ein neuer Sänger gefunden, der gleichzeitig ein alter Bekannter ist. Lauer ging schon mit Gitarrist Sascha Eigner zur Schule und hatte bereits einen kleinen Auftritt im Jupiter Jones-Video „Nordpol/Südpol“. Seit Juni ist das Quartett also in dieser Besetzung unterwegs und präsentiert sein im Oktober veröffentlichtes fünftes Studio-Album „Das Gegenteil von allem“.

Als Jupiter Jones Ende Dezember 2012 für vier aufeinanderfolgende Konzerte im wunderschönen Kölner Gloria Theater gastierten, war Nicholas Müller noch mit an Bord. Es war der standesgemäße Abschluss ihrer Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bandjubiläum. 2002 hatte die Geschichte in einem verschwitzten Proberaum in der Eifel angefangen. So manches versiffte Jugendzentrum, vier Alben und einen Radio-Hit später waren Jupiter Jones auf der großen Bühne angekommen. Für „Still“ gab es Platin und den Echo 2012. In Köln spielte die Band jeden Song, den sie bis dahin je auf ein Album gepackt hatte. Macht bei vier Alben eben logischerweise vier Abende. Die Quintessenz dessen erscheint nun unter dem treffenden Titel „Glory.Glory.Hallelujah“ als schickes Box-Set aus zwei CDs und einer DVD.

Zwanzig Songs haben es dabei auf die Konserve geschafft. Nach einem schönen Klavierintro geht mit „Unter uns Darwinfinken“ auch gleich mal gepflegt die Post ab. Der Titel der darauffolgenden Nummer „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“ ist blanke Ironie. Jupiter Jones sind scheinbar (fast) überall zuhause – egal ob Punk, Rock, Indie oder Pop. Die Fans im Gloria feiern jedenfalls dankbar mit und übernehmen hier und da ganze Gesangsparts („Kopf hoch und Arsch in den Sattel“ oder „Reiss die Trauer aus den Büchern“). Das ein oder andere Stück wird durch den Einsatz von Trompete, Flügelhorn und Posaune veredelt („Eine Landjugend“ oder „Weitergehen“) und spätestens als Roda Bade mit Nicholas Müller „Nordpol/Südpol“ singt, ist endgültig Gänsehaut angesagt. Die ist ohnehin ein verläßlicher Begleiter bei solchen Perlen wie „Und dann warten“, „Oh hätt ich dich verloren“ oder dem wunderbaren „Berlin“. Und last but not least darf natürlich auch „Still“ nicht fehlen.

Nach dem Hörgenuss kann man sich das Ganze dann auf der beiliegenden DVD auch nochmal live und in Farbe anschauen. Dafür wurde eigens eine Rundbühne in den eigentlichen Zuschauerbereich des Gloria Theaters gepflanzt, die Band mit Publikum umzingelt und ein paar Kameras an strategisch wichtigen Punkten platziert. Fertig war die Sause! Man sieht den Schweiß förmlich von den Wänden des ehemaligen Kinos bis auf die Apostelnstraße laufen. Dazu kommen Texte, die mit kleinen Geschichten und großen Hymnen zwischen erstem Kuss und letztem Haar zu fesseln wissen.

So wird „Glory.Glory.Hallelujah“ zu einer Reise durch alte Geschichten und neue Sounds – quer durch alle Facetten, die Jupiter Jones zu bieten haben. Mitfahren lohnt sich! Einziger Wermutstropfen: Die Stücke auf den CDs werden am Ende immer ausgeblendet, was das durchgängige Liveerlebnis etwas schmälert. Macht einen Punkt Abzug in der B-Note. Ansonsten aber gibt es hier nix zu meckern. In diesem Sinne: Auf das Leben!

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