Jupiter Jones sind wieder da und machen „Das Gegenteil von allem“

VERÖFFENTLICHUNG» 11.10.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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„Still“ war der Hit, der Jupiter Jones in Deutschland ganz groß machte und der Band aus der Eifel endlich den Stellenwert verlieh, den sie schon lange verdient hatte. Dabei fing im Jahr 2002 alles so harmlos an, nachdem man sich im beschaulichen Prüm gegründet und nach der amerikanischen Hauptfigur der Kinderbuchreihe „Die drei ???“ (in der deutschen Übersetzung heißt der Erste Detektiv Justus Jonas, im Original aber Jupiter Jones) benannt hatte.

In den ersten Jahren klang das noch alles sehr anarchisch und das Album 2007 trug den Titel „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich“, während die dazu gehörige Single mit dem Slogan „Wir sind doch nicht Metallica“ aufwartete. Irgendwann aber hat sich das Blatt gewendet. Vielleicht mit der unplugged-Livesession „…leise“ (2008) oder dem selbst betitelten Album aus dem Jahr 2011, das mit „Still“ endlich einen Song enthielt, der im Radio mithalten konnte und gleich durchschlug. Diese Erfahrung hatten die Kollegen von Revolverheld im ähnlichen Zeitraum auch gemacht – und plötzlich wurde man ernst genommen.

Die Band hat gut daran getan, sich nicht direkt an den Erfolgszug dran zu hängen, sondern mehr als zweieinhalb Jahre bis zum Nachfolger verstreichen zu lassen. „Das Gegenteil von allem“ sagt schon, dass man sich verändern wollte. Also kein dreckiger Punkrock mehr, stattdessen eine Annäherung an Pop und Mainstream. Wobei diese nicht so heftig ausgefallen ist, wie man hätte erwarten können. Jupiter Jones warten immer noch mit der charismatischen, rauchigen Stimme von Nicholas Müller auf. Und sie bieten intelligente Texte, die Aufbruchsstimmung verbreiten – so wie der Opener „4-9-6 Millionen“. Okay, hartgesottene Fans müssen sich erstmal daran gewöhnen, dass die Melodien angenehmer und freundlicher im Ohr klingen. So wie ein weises Alterswerk, dass schon recht früh kommt („Rennen + Stolpern“).

Doch keine Sorge. Es gibt auch weiterhin schrammelige Gitarren und gesellschaftskritische Texte wie in „Denn sie wissen was sie tun“. Und man ist sich nicht zu schade, auch mal völlig neue Klänge auszuprobieren („Treppenwitz“). Am meisten gefangen nehmen mich aber die Balladen. Da liegt die neue Stärke der Band. Ob verschmähte Liebe und tiefe Melancholie in „Hunderttausend Typen wach“ oder das euphorische Gegenteil in „Zuckerwasser“ mit einer gigantischen Ladung schöner Erinnerungen.

Klar kann man jetzt maulen, dass die Wandlung von der Deutschrock-Band zum Radio-Pop fast komplett vollzogen ist und in den meisten Songs das weichgespülte Mittelmaß herrscht. Man kann sich aber auch freuen, dass Jupiter Jones hier ein sehr erwachsenes Album geschrieben haben, das breite Zuhörerschichten anspricht und auf dem kein wirklicher Aussetzer zu beklagen ist. Mir gefällt es von vorn bis hinten in all seinen Facetten. Und wenn die Stimmung etwas angespannt ist, hört man halt „Denn sie wissen was sie tun“ in Dauerschleife.

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