Katatonia veröffentlichen 9. Studioalbum „Dead End Kings“

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Da ist sie also – die neue Katatonia. Eines kann ich jetzt schon vorweg nehmen: Das Warten auf dieses Album hat sich mehr als gelohnt, denn Katatonia beweisen mit ihrem nunmehr 9. Studioalbum, dass sie zu einer der besten Bands des gesamten Genres zählen. Seit rund 20 Jahren haben Katatonia ihren Stil herausgearbeitet und perfektioniert, wie man auf „Dead End Kings“ unmissverständlich präsentiert bekommt. Das Album bietet in so ziemlich jeder Hinsicht nämlich genau das: Ausgereiftheit. Das was spätestens auf „Viva Emptiness“, wenn nicht sogar schon auf „Tonight´s Decision“ begonnen wurde, und über die darauf folgenden Alben, mal besser, mal schlechter herausgearbeitet wurde, sucht eigentlich seines Gleichen. Mir fällt zumindest keine Band ein, die in der Lage ist, beim Hörer eine solch überwältigende Atmosphäre zu kreieren – und auf dem neuen Album gelingt es Katatonia so intensiv wie bisher noch nie.

„Dead End Kings“ ist ein Album, was man eigentlich nur an einem Stück hören kann. Alle 11 Songs gehen fließend ineinander über, was auch wichtig ist, denn Alben von Katatonia entbehren nicht einer gewissen Dramatik. Um das Album „nur mal eben so“ zu hören, ist es ohnehin zu schade. Schon der Opener „The Parting“ gefolgt vom eher ruhigeren „The One You Are Looking For Is Not Here“ (wo übrigens Silje Wergeland von The Gathering neben Jonas Renske zu hören ist) und „Hypnone“ und „The Racing Heart“ machen klar, was für eine Dynamik in diesem Album steckt. Auch alle weiteren Songs beweisen, dass bei der Reihenfolge der Songs ganz genau bedacht wurde, den Hörer nicht zu langweilen, denn das Album bietet wirklich alles was die Band zu bieten hat.

Katatonia Bandfoto

Hier komme ich auch gleich zur Produktion, denn auch diese zeigt sich als unheimlich dynamisch und ausgereift. Das Album wurde von Jonas Renske, Anders Nyström und Per Eriksson produziert und von keinem geringeren als David Castillo gemischt. Katatonia produzieren schon seit zig Alben alles im Alleingang, und das finde ich sehr gut so, denn somit bleibt ihnen die volle Kontrolle. Der Name David Castillo sollte auch allen ein Begriff sein, denn er hat sich ja schon für seine Arbeit für Opeth und Bloodbath einen Namen gemacht. Witzigerweise merkt man das auf diesem Album auch mal wieder ganz deutlich in musikalischer Hinsicht, denn manche Songs, vor allem „Lethean“ und „Dead Letters“ beinhalten so offensichtliche Opeth Einflüsse, dass man zuerst schmunzeln muss, sich aber dann freut, dass wenigstens Katatonia dem alten Opeth Stil treu geblieben sind und Herrn Åkerfeldt allein unter dem Stachelschweinbaum weiter dösen lassen.

Aber bleiben wir bei der Produktion. Katatonia haben hier nämlich auch ihr bisher technisch bestes Werk abgeliefert. Noch auf keinem Album war der Gesang von Jonas Renske so gefühlvoll und perfekt auf die Songs abgestimmt, noch nie hat Anders Nyström so aus den Vollen geschöpft, was natürlich nicht bedeuten soll, dass er das vorher nie getan hat – auf diesem Album übertrifft er sich einfach nur selber – siehe das Solo in „Lethean“ oder diese Momente wo die Band erst auf die Bremse tritt (… der „Katatonia-Break“ – abrupter Break mit Tiefpass-Filter Schlagzeug – wird auf diesem Album gerne eingesetzt), um dann wieder mit einer überwältigenden Soundwand loszulegen, so dass man eine Gänsehaut bekommt. Auch der unverständlicherweise vollkommen unterbewertete Daniel Liljekvis, welcher für das Schlagzeug zuständig ist, beweist auf „Dead End Kings“ seine Weltklasse. Besonders in „Lethean“ sticht das Drumming als so unheimlich groovy und ausgefeilt hervor – von ruhigeren Grooves bis zu dezent aber absolut passend eingesetzter Double-Bass ist alles dabei was das Ohr erfreut. Auch Niklas Sandin, welcher ja noch nicht so lange am Bass dabei ist, liefert eine gute Arbeit ab, leider stach der Bass bei Katatonia noch nie so heraus, aber ob das bei einem solchen Ausnahmegitarristen wie Nyström notwendig ist, wage ich einfach mal zu bezweifeln. Natürlich wurde beim Cover auch nicht gespart, kommt dieses doch von keinem geringeren als Travis Smith.

Kommen wir zu den obligatorischen Anspieltipps. Haha, sehr lustig. Ich rate einfach mal zu jedem Song, denn es ist einfach unmöglich zu sagen, welcher Song besser oder schlechter ist. Ich kann hier nur meine persönlichen Top 3 auflisten, welche (absteigend) wären: „Lethean“, „Ambitions“ und „The Racing Heart“. Wobei – „The Parting“ ist auch klasse … oder „The One You Are Looking For Is Not Here“. „Hypnone“ ist schön ruhig, „Buildings“ hat einen coolen Text… oder „Leech“ … „Undo You“ gefällt mir auch unheimlich gut und wenn ich an „First Prayer“ und „Dead Letters“ denke, bekomme ich direkt wieder Lust das Album den ganzen Tag zu hören.

Wer sich Katatonia dieses Jahr live ansehen will, dem sei angeraten sich mal die Dead Ends Of Europe Tour 2012 anzuschauen, es lohnt absolut, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Infos über diese Tour findet ihr hier: http://www.crowdsurge.com/katatonia/

Meine endgültige Meinung zu diesem Album ist ganz einfach – das beste Katatonia Album ever und bisher das beste Metal Album des Jahres. Egal in welche Metal-Schublade man Katatonia nun stecken mag. Progressive Doom Goth Metal, was weiss denn ich…