Katherine Jenkins präsentiert auf ihrem neuen Album „Daydream“ nette Tagträumereien zwischen Klassik, Pop und Folk

VERÖFFENTLICHUNG» 15.03.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Als ausgebildeter klassischer Sänger muss man sich heutzutage nicht mehr auf die Interpretation von Opernarien und Schubertliedern beschränken, sondern darf sich dank des sogenannten Klassik-Crossovers auch an Pophits oder Rocksongs versuchen. Eine bekannte Vertreterin des Genres ist die walisische Mezzosopranistin Katherine Jenkins, die mit „Believe“ vor drei Jahren auch in Deutschland den Durchbruch schaffte und nun ihr aktuelles Album „Daydream“ veröffentlicht.

Im Gegensatz zu den vorhergehenden Alben interpretiert Katherine auf „Daydream“ kaum große Hits, sondern weniger bekannte Titel wie beispielsweise „And This Is My Beloved“ aus dem Musical „Kismet“ oder ein „Ave Maria“ von John Brunning. Außerdem sind mit „Your Silhouette“, „Can´t Slow Down“ und „A Flower Tells A Story“ einige speziell auf die Sängerin zugeschnittene Neukompositionen dabei. Einen neuen Akzent setzt Katherine mit mehreren Bearbeitungen von traditionellen Folksongs, wie „Black Is The Colour“, „Carrickfergus“ oder „Blaenwern“, dass sie sogar in walisischer Sprache singt.

Arrangiert sind fast alle Stücke mit Band und großem Orchester, was zwar meist sehr stimmungsvoll aber manchmal auch leicht übertrieben wirkt. Sehr gelungen sind allerdings der atmosphärischen Anfang von „Love Divine“, das auf einer walisischen Hymne basiert, und das stellenweise fast rockige Arrangement von „Break It To My Heart“. Hier kommt auch Katherines warmer Mezzosopran besonders gut zur Geltung, den sie für die Popsongs sehr angenehm moduliert einsetzt. Ihre klassische Ausbildung hört man dann bei Titeln wie  „L´Alba Verra“ oder „Abigail´s Song“ heraus – und leider auch bei „J´avais rêvé d´un autre vie“ (I Dreamed A Dream) aus dem Musical „Les Misérables“, das gerade im Vergleich mit der sehr emotionalen Version von Anne Hathaway aus der aktuellen Verfilmung etwas seelenlos wirkt.

Als Bonus bei der deutschen Veröffentlichung von „Daydream“ gibt es noch zwei Duette mit Semino Rossi – „Because We Believe“ und „The Music Of My Heart“. Da treffen zwei wirklich gute Stimmen mit  viel Gefühl  aufeinander, das Ganze wird aber mit zu viel musikalischem Zuckerguss  garniert.

Als Hintergrundmusik für romantische Tagträumereien ist „Daydream“ tatsächlich gut geeignet, und vor allem die neuen Songs überzeugen. Insgesamt ist mit Katherine Jenkins neues Werk jedoch ein bisschen zu perfekt und glattgebügelt – da gibt es im Bereich Crossover inzwischen frischere Ideen.