Keshas zweites Album „Warrior“ wird zur Kampfansage

VERÖFFENTLICHUNG» 30.11.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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„Warrior“ heißt das neue Album von Kesha und es ist die erwartete Kampfansage an alle Möchtegern-Dancefloor-Sternchen, die mit halbseidenen Produktionen kleine One-Hit-Wonder raushauen, um anschließend wieder in der Versenkung zu verschwinden. Okay – auch Kesha wurde im Windschatten von Lady Gaga groß und präsentierte sich auf ihrem ersten Album „Animal“ als nimmermüdes Partygirl. Doch aus diesem Schatten ist sie schon lange raus getreten.

Ihr Lebenslauf klingt ungewöhnlich: die Mutter Punkrocksängerin, eine arme Jugend – und sie soll sich mal unbefugt ins Haus von Prince geschlichen haben, um ihm ein Demo in die Hand zu drücken. Es geht nichts über frühe Legendenbildung. Der Song „Tik Tok“ wurde spätestens dann zur Legende, als die Macher der „Simpsons“ ihn für ihren Vorspann verwendeten und für einen YouTube-Hit allererster Kult-Klasse sorgten.

Zweieinhalb Jahre ließ sich Kesha Zeit für ihr zweites Album. Gut Ding will Weile haben. Zwischendurch gab es die EP „Cannibal“ mit einigen neuen Songs, der große Wurf blieb aber aus. Erst kürzlich läutete „Die Young“ die neue Kesha-Ära ein. Die erste Auskopplung bietet Dancefloor-Spaß pur. Und so geht es über 45 Minuten Albumlänge weiter. Treibende Beats und elektronisch verzierte Rap-Einlagen erzeugen den inzwischen typischen Kesha-Sound mit entsprechendem Wiedererkennungswert. Da sind gleich zu Beginn der Titel-Ohrwurm „Warrior“ und das hip-hop-lastige „Thinking Of You“.

Das Programm ist vielschichtiger geworden: „Crazy Kids“ bietet akustische Elemente auf und bei „Dirty Love“ findet man gar ein rockiges Duett mit Altmeister Iggy Pop. So geht es Song für Song straight vorwärts. Erst „Wonderland“ gibt als Ballade etwas Zeit zum Durchatmen und Kesha zeigt, dass sie stimmlich jederzeit bestehen kann. „Only Wanna Dance With You“ bietet beschwingte Tanzrhythmen und „Love Into The Light“ lädt abschließend zum verträumten Chillen ein. So wird ein abwechslungsreicher Musikmix draus und das Album eignet sich auch für potentielle Hörer, die nicht so tanzbegeistert sind.

Wenn man sich mit den elektronischen Verzerrungen abfinden kann und über eines der hässlichsten Cover des digitalen Zeitalters hinweg sieht, hat Kesha hier ein perfektes Dancefloor-Album abgeliefert – ganz in der Nachfolge von Lady Gaga und darüber hinaus. Ihre stimmlichen Fähigkeiten sind unbestritten und sie hat einen Riecher für eingängige Melodien. Da ist auch Album Nummer 2 ein absoluter Hinhörer.