Konstantin Wecker live – ein Abend voller „Wut und Zärtlichkeit“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.02.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Im September 2011 veröffentlichte Konstantin Wecker sein aktuelles Studioalbum nach sechs Jahren Pause. Der Titel des neuen Werks „Wut und Zärtlichkeit“ spiegelt die beiden thematischen Pole wider, in denen sich seine Musik bewegt. Da ist einmal die Wut auf viele gesellschaftliche Umstände, die sich oft hinter kabarettistischer Ironie versteckt, aber auch ganz offen zu Tage tritt. Die Zärtlichkeit dagegen offenbart sich in wunderbaren und sehr persönlichen Liebesliedern. Ähnlich sind auch die Konzerte der aktuellen Tour aufgebaut. Und unter dem Titel „Wut und Zärtlichkeit – live“ dürfen nun alle daran teilhaben.

Auf CD 1 dominiert der trotzige, durch und durch empörte Part. Wecker beginnt mit drei Liedern vom aktuellen Album: zunächst der Titelsong, dann das wütende „Absurdistan“ und schließlich der Publikumsliebling „Die Kanzlerin“. Wer hätte gedacht, dass der bekennende Linke ein Liebeslied an Angela Merkel schreibt? Die Ironie, die Bundeskanzlerin als Frau zu sehen, in deren Lächeln und deren Dekolleté er sich verliebt hat, kommt immer wieder gut an. Später wird es ernster: „Frieden im Land“ und „Wenn unsere Brüder kommen“ regen in jeder Epoche zum Nachdenken an. Und bei „Präposthum“ mag manch einem das Lachen im Halse stecken bleiben.

CD 2 bietet viele Klassiker zum Mitsingen: Natürlich „Was keiner wagt“, der verträumte All-time-favourite. Und Wecker ruft weiterhin zum Widerstand auf mit seiner neuen Hymne „Empört Euch!“, prangerte gesellschaftliche Missstände an in „Damen von der Kö“ oder dem „St. Adelheim-Lied“. In der Beziehung ist er ganz der Alte und man wartet auch in den Ansagen vergeblich auf versöhnliche Worte.

Die Doppel-CD mit 24 Songs wurde unter anderem in der Alten Oper in Frankfurt und in der Essener Philharmonie aufgenommen. Konstantin Wecker, der auf der Live-Aufnahme auch Bertolt Brecht, Erich Kästner und Rainer Maria Rilke zu Wort kommen lässt, hat mit dem Pedal-Steel-Gitarristen Nils Tuxen, den Schlagzeugern Jens Fischer-Rodrian und Tim Neuhaus sowie mit seinem langjährigen Bühnenpartner Jo Barnikel am Klavier, Keyboard und Akkordeon eine kongeniale Band um sich vereint, die das Album mit einer unbändigen Spiellust zu einem leichtfüßigen Ausflug in die verschiedensten Rhythmuswelten und Stilrichtungen macht – von sensiblen klassischen Klängen über Jazzrock bis hin zum wummernden Beatboxing. Von Verschleißerscheinungen gibt es bei dem 65jährigen keine Spur. Die Jugend trägt er in seiner Musik mit sich.