Kris, Solokarriere mit „Immer wenn ich das hier hör“

VERÖFFENTLICHUNG» 01.06.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Anfang der 90er Jahre gehörte Kristoffer Hünecker neben Tommy Haas und Nikolas Kiefer zu den besten Jungstars im deutschen Tennis, war Vize-Meister und wurde von Nick Bolletieri trainiert. Allerdings verhinderte eine Verletzung am Handgelenk die geplante Profikarriere. Stattdessen das zweite Standbein: die Musik. Zunächst mit der Hamburger Band Freiraum, später dann mit Tsunamikiller, die sich 2004 in Revolverheld umbenannten. Und jetzt, in einer kreativen Pause nach dem dritten Erfolgsalbum „In Farbe“, versucht sich Kris wie sein Bandkollege Johannes Strate an einer Solokarriere. Die erste Single „Diese Tage“ läuft erfolgreich im Radio – also los!

Mit der Single will ich auch beginnen: Ein Ohrwurm, wie er im Buche steht. Samples aus Steve Millers „The Joker“, die Zusammenarbeit mit Dante Thomas – hier stimmt einfach alles und man kann gar nicht genug davon bekommen. Wie es kürzlich Clueso mit „Cello“ vorgemacht hat, verwandelte Kris den Klassiker in einen ganz neuen Song, der das Zeug zum Sommerhit hat. „Ich liebe diese Tage, egal wie scheiße es war… “ Wollen wir mal hoffen, dass dieser Text nach der EM nicht an ungewollter Aktualität gewinnt.

Kris arbeitet sehr beat-orientiert, wechselt in seinen Songs gerne ins Metier des Sprechgesangs und tobt sich einfach in Stücken aus, die zwar entfernt an Revolverheld erinnern, aber nicht verkrampft in deren Richtung gehen wollen. Kris schreit in „Glücksrausch“ seine Euphorie raus, wünscht sich in „So laut“, dass es auch mal leise um ihn rum sei, und philosophiert in „Soundtrack“ melodisch über sein Leben. Balladeskes Highlight ist der Titelsong „Immer wenn ich das hier hör“, in dem er die Zwickmühle zwischen Karriere und Beziehung besingt. Wunderschön verträumt.

Bei Kris klingt alles entwaffnend ehrlich und authentisch. Die Promofotos zeigen ihn sehr entspannt – als ruhigen Typen mit Kopfhörern im Trubel der Welt. Mal sehen, ob das bei seinen Soloauftritten so bleibt, wenn er plötzlich vom Gitarristen zum Frontmann mutieren muss.