Kylie Minogue und ihre „Abbey Road Sessions“ – eine Discoqueen erfindet sich neu

VERÖFFENTLICHUNG» 26.10.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Ein Best-of-Album kurz vor Weihnachten. Das soll etwas Besonderes sein? Macht doch jeder, der im Novemberfieber ein paar Euro abstauben will. Der Blick auf die Tracklist eröffnet dann auch die zu erwartende Songauswahl (vielleicht mit Ausnahme von „Where The Wild Roses Grow“). Ein Release, den man schnell abhaken könnte. Wäre da nicht der Titel „The Abbey Road Sessions“. Warum hat sich Kylie Minogue in die heiligen Hallen Londons begeben? Steckt doch mehr dahinter als die allseits übliche Runderneuerung?

16 Titel finden sich auf der CD – und ja, sie sind alle komplett neu eingespielt. Keiner der Titel klingt mehr nach Disco, Dancehall und kreischenden Teenies. Schon das letzte Studioalbum „Aphrodite“ war ein großer Schritt hin zum melodischen Pop. Die neuen Aufnahmen sind eine halbe Weltumseglung. Jeder Titel bekommt ein neues Arrangement – ein komplett neues Gewand. Bei „All Your Lovers“ klingt das noch sehr einfach und nach logischer Weiterentwicklung. Auch „On A Night Like This“ lässt noch die ursprüngliche balladeske Kraft spüren. Doch dann geht es weiter: Alle Titel werden mit akustischer Gitarre, Piano oder gar dem großen orchestralen Besteck unterlegt. Da muss man genau hinhören, um die Partykracher hinter den filigranen Melodien zu entdecken.

Größte Bewährungsprobe sind die Hits aus den 80ern, die Kylie berühmt gemacht haben. „The Locomotion“ klingt wunderbar beschwingt und reitet auf der 50er-Retro-Welle, „Can’t Get You Out Of My Head“ wartet mit einem Streicher-Stakkato auf, das an Coldplays „Viva La Vida“ erinnert, und bei „I Should Be So Lucky“ schließlich wurde das Teenie-Gepiepse zugunsten einer dramatischen Balldenstimme gestrichen, die den Song glanzvoll wiederauferstehen lässt.

Alles Künstliche wurde weg gelassen. Noch nie klang Kylies Stimme so kraftvoll, so organisch und so warm wie über das komplette neue Album. Sie ist schon seit langem eine durch und durch sympathische Künstlerin. Nach Krebserkrankung und Chemotherapie hat sie einen Neuanfang gemeistert, den man nur bewundern kann. Ihr bei Stefan Raab absolvierter Kölsch-Kurs in „TV total“ ist legendär. Man kann sie in einem Moment ohne Starallüren erleben – und dann wieder mit einer Show, die neue Maßstäbe setzt. Mit den „Abbey Road Sessions“ aber hat sie sich nochmal selbst übertroffen. Ein fantastisches Album ohne glamourösen Schnickschnack. Besser geht’s nicht.

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