LaBrassBanda – Europa: Der Kontinent kann auch ohne Eurovision Song Contest erobert werden

VERÖFFENTLICHUNG» 14.06.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Viele hätten es gerne gesehen, wenn LaBrassBanda aus Oberbayern Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten hätten. Vielleicht ohne große Siegchancen – aber mit einer Musik, die traditionelle Werte, die weltweit mit Deutschland verbunden werden, und moderne Klänge miteinander verknüpft. Allein das Auftreten des Quintetts barfuß in T-Shirt und Lederhose lässt den Sympathiefaktor in die Höhe schnellen.

Die Besetzung aus Trompete, Tuba und Posaune entspricht der klassischen Bläsercombo. Hinzu kommen E-Bass und Schlagzeug. Was sie auf diesen Instrumenten erzeugen, versehen die Jungs um Frontmann Stefan Dettl selbst immer mit neuen Namen: Bayerischer Gypsy Brass, Funk Brass, Alpen Jazz Techno oder andere lustige Wortkombinationen.

2008 zogen sie mit Mopeds und Traktor von zuhause zum Endspiel der Fußball-EM nach Wien und gaben unterwegs Platzkonzerte. Mehrfach haben sie Deutschland bei internationalen Festivals vertreten und waren auch schon auf den großen Rock-Open-Airs wie dem Hurricane, dem Southside und dem Haldern Pop vertreten. Kurios ist die Anekdote, dass sie sich zu ihren Anfangszeiten als Band aus Südamerika ausgeben mussten, um beim Chiemsee Reggae Sommer spielen zu dürfen. Inzwischen zählen sie dort ganz von selbst zu den gefragten Dauergästen.

Das neue Werk ist ein Konzeptalbum namens „Europa“ und LaBrassBanda legen tatsächlich nochmal eine Schippe drauf. Vieles klingt traditionell und folkloristisch, europäische Länder werden mit typischen Klängen versehen, aber es gibt auch wummernde Bässe und Techno-Gehabe. Da hat sich die Bandbreite in vielerlei Richtungen erweitert. Die Single „Nackert“ ist natürlich dabei, doch darüber hinaus tue ich mir schon schwer mit der Vielzahl an elektronischen, zum Teil wirklich gewöhnungsbedürftigen Klängen.

Immerhin erläutert Dettl im abschließenden „Hymne“ die Idee zum Album: „Manchmal musst es einfach machen, weil wennst es nicht machen tätest, würd auch nichts passieren“. Das mag stimmen und LaBrassBanda schließlich in eine neue Richtung führen. Ihre alten Qualitäten bleiben ja trotzdem erhalten und wer nostalgisch abfeiern will, greift einfach zum Livealbum aus der Münchner Olympiahalle.