Lana del Rey: Die Königin des Sadcore zeigt sich auch auf „Ultraviolence“ sehr verletzlich

VERÖFFENTLICHUNG» 13.06.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Als vor zwei Jahren mit „Born To Die“ das zweite Album und gleichzeitige Major-Debüt von Lana del Rey erschien, konnte man den Songs „Video Games“ und „Summertime Sadness“ kaum entfliehen. Und die meisten wollten es auch nicht – was für eine Stimme! Dunkle Klangfarbe, Pop ganz weit weg vom Mainstream und doch eingängig genug fürs Radio.

Lanas Songs entfalten pure Melancholie. Ein Begriff wie „Sadcore“ musste speziell für ihren Stil erfunden werden. Die Nummer 1 in vielen europäischen Charts und die Nummer 2 im US-Billboard waren der gebürtigen New Yorkerin sicher. Kaum eine Künstlerin kann in den letzten Jahren auf einen solch kometenhaften Karrierestart zurückblicken wie Lana Del Rey. Sie hat neue Maßstäbe in der Popwelt gesetzt. „Born To Die“ ging weltweit über sechs Millionen Mal über die Ladentische und es gab dreifach Platin für über 650.000 verkaufte Einheiten allein in Deutschland.

Dan Auerbach von den Black Keys hat das neue Werk produziert. Nicht überproduziert, stattdessen ganz auf diese wundervolle Stimme ausgelegt, die dem Hörer nicht mehr aus dem Kopf geht. Ihr Gesang wird reduziert unterlegt mit Piano oder orchestralen Klängen. Das ganze Album ist sphärischer und ein wenig düsterer geworden als der Vorgänger. Der Weltschmerz ist der 27jährigen ins Gesicht geschrieben. Und da findet sich nicht die Spur eines Versuchs, in optimistische Popwelten vorzustoßen.

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Songs wie „Ultraviolence“ zeigen die stimmliche Vielfalt, mit der Lana überzeugen will und kann: eine laszive Alt-Stimme, aber auch in den Höhen glänzend. Die Begleitung wird nur dezent eingesetzt, um diesen Eindruck zu verstärken. Der Streicher-Himmel geht über dem kompletten Album auf. Alles ist sehr ruhig gehalten. Lanas Musik schmeckt wie ein guter Wein, dem eine klassische Note anhaftet. Vor allem die abschließenden Perlen namens „Old Money“ und „The Other Woman“ haben es in sich. Textlich wie musikalisch. Mit sauberer Intonation, etwas Timbre und dem typischen, leicht gelangweilt klingenden Grundton, an den wir uns im Lauf des Albums gewöhnt haben.

Lana schreibt Songs, von denen der Hörer das Gefühl hat, dass sie tief aus ihrer Seele kommen. „Meine Songs sind Super-8-Filme für die Ohren“ so beschreibt die Sängerin ihren Sound. „Ultraviolence“ ruht ganz in sich. Ein jazziges Schlagzeug, ein entspannter Bass, sowie der Sound von Surf-Gitarren und Streichern ermöglichen Lana Del Rey ihre Stimme perfekt einzusetzen. Mit einem Ton vermag sie Songs ins Tragische kippen zu lassen oder Trost und Weisheit zu verströmen. Sie will schrill sein, aber ohne Dance-Eskapaden und Geschrei. Da ist keine neue Lady Gaga auf dem Weg zu uns. Höchstens jemand, der sich in Zukunft mit unscheinbaren, stillen Stars wie Christina Perri um die Anwärterschaft auf den Pop-Thron streiten muss.

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