Laura Marling – Once I Was An Eagle: Tiefgründiger Folk jenseits aller Konventionen

VERÖFFENTLICHUNG» 24.05.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die Songwriterin Laura Marling zählt zu den derzeit erfolgreichsten Künstlern der britischen Folk-Szene. Bereits mit 17 veröffentlichte sie ihr Debüt „Alas, I Cannot Swim“, die beiden nachfolgenden Alben erreichten jeweils Patz 4 der UK-Charts, und 2011 wurde sie mit dem BRIT-Award ausgezeichnet. Nun hat sie mit „Once I Was An Eagle“ ihr viertes Album am Start.

„Once I Was An Eagle“ basiert auf Lauras eigenen Lebens-Lernerfahrungen und entfaltet sich frei von den üblichen Konventionen eines Standard-Albums. So gehen die ersten vier Titel nahtlos ineinander über, verbunden durch eine rhythmisch und harmonisch beinahe gleichbleibende Gitarrenbegleitung. Inhaltlich ist der rote Faden dieser Songs schwerer zu fassen, aber es geht immer um essentielle Gefühle, die Lauras sehr wandlungsfähige Stimme intensiv vermittelt.

Obwohl ihr Gesang stellenweise introvertiert wirkt, spricht aus Lauras Songs oft ein starkes Selbstbewusstsein, mal kraftvoll behauptet wie in „Master Hunter“, mal ruhig und fast verführerisch wie in „Little Love Caster“. Diese innere Stärke kann auch in Selbstverachtung umschlagen wie im sehr atmosphärisch arrangierten „Devil´s Resting Place“, oder von leiser Verzweiflung durchdrungen werden wie in „Pray For Me“. Zwischendurch sorgt ein schwebendes instrumentales „Interlude“ für Frieden oder verspielte Gitarren locken zum Zwiegespräch mit „Undine“. Mit „Where Can I Go“ präsentiert die Sängerin dann sogar einen beinahe eingängigen Country-Folk-Song .

Neben Lauras eindringlicher Stimme und den tiefgründigen Texten lebt das Album vor allem von den Arrangements, die auf den ersten Blick sehr einfach scheinen,  beim genauen Hinhören aber eine erstaunliche Komplexität offenbaren. „Little Bird“ etwa wirkt am Anfang, als würde die Sängerin gerade im heimischen Wohnzimmer die ersten Akkorde ausprobieren. Nach und nach kommen immer mehr Instrumente dazu und der Song gewinnt an Tempo und Dichte. In ähnlicher Weise steigert sich auch das abschließende „Saved These Words“ und entwickelt eine fast hypnotische Wirkung.

Wie Laura Marling selbst bereits in ihrer Pressemitteilung feststellt, sucht man offensichtliche Hitkandidaten fürs Radio auf „Once I Was An Eagle“ vergeblich, und zum irgendwie nebenher laufen lassen eignet sich das Album eben so wenig. Wer ihm jedoch Zeit und Ruhe gönnt, wird sich der intensiven Wirkung dieser Musik kaum entziehen können.