Lord Of The Lost mit einem Herz für die Heimat: „We Give Our Hearts – Live Auf St. Pauli“

VERÖFFENTLICHUNG» 09.08.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Da steckt Herzblut in der Veröffentlichung, wenn eine Band aus Hamburg ihr Album „Live auf St. Pauli“ präsentiert. So passt der zweite Albumtitel „We Give Our Hearts“ auch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Lord Of The Lost sind in der Gothic/Metal-Szene momentan schwer angesagt. Zuletzt durfte ich das auf dem Hexentanz-Festival erleben, als die fünf düsteren Burschen im hellen Tageslicht die Bühne rockten und das Publikum trotzdem vollends begeisterten.

Gegründet wurde die Band im Jahr 2007 und hat seitdem drei Studioalben veröffentlicht. Musikalisch kann man sie zwischen Bands wie Him und Rammstein einordnen. Allerdings werden die Texte durchgehend auf Englisch präsentiert. Das wird in der heimatsprachlich veranlagten dunklen Szene fast schon zum Alleinstellungsmerkmal. Und es funktioniert! Die Musik ist dunkel und unheilverkündend. Balladeske Töne sind eher die Ausnahme. Stattdessen wird es brachial und mit Songtiteln wie „Black Lolita“, „Marching Into Sunset“ und „Blood For Blood“ auch sehr aussagekräftig. Man könnte jetzt anmerken, dass die Musiker aufgrund ihres Auftretens auf der Vampir-Welle rumreiten, doch da es passt, sieht man da gern drüber hinweg.

Mein größter Kritikpunkt am Live-Release ist die etwas dumpfe Tonqualität. Das macht die stilistisch recht ähnlichen Songs noch ein Stück weit eintöniger. Ansonsten stimmt aber alles. Chris Harms hat eine dunkle, angenehme Stimme. Die Ansagen drücken tief empfundene Freude über das große Publikum in Hamburg aus. Ein Gig, den das Quintett sehr sympathisch angeht.

Liveauftritte sind ihre große Stärke. Das kommt auch im CD-Format gut. Lord Of The Lost entfachen in dreizehn Songs pure Spielfreude und bringen das „Knust“ zum kochen. Die Setlist zieht sich durch alle drei Alben und gibt einen guten Einblick für Interessierte, die die Band jetzt erst kennen lernen. Mir liegt bisher nur die einfache CD-Version vor. Wer aufpasst, sollte sich aber die Deluxe-2-CD-Edition sichern, auf der sich noch drei komplett neue Stücke finden.