Mando Diao und ihr Weg zurück zum Synthie-Pop

VERÖFFENTLICHUNG» 02.05.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Im Jahr 2009 erschien „Give Me Fire!“ und Mando Diao haben mich einfach vom Hocker gerissen. Es mag der Retrosound gewesen sein, der sich durch die Jahrzehnte zog und auch vor ungewöhnlicher Instrumentierung mit Bläserklängen und nostalgisch verspieltem Gitarrensound nicht zurückschreckte. Oder einfach die Wirkung des Albums als Ganzes. Ein solch abwechslungsreiches Werk, das unbeirrt vorwärts marschiert und auf dem keine echten Ausfälle zu verzeichnen sind, erlebt man selten.

Was konnte danach noch kommen? Das längst überfällige MTV unplugged – und dann? Dann taten die Jungs aus Borlänge das Unerwartete: Statt des nächsten „Dance With Somebody“ gab es ein überaus ambitioniertes Projekt namens „Infruset“. Ein Album mit vertonten Gedichten in ihrer schwedischen Muttersprache. Das konnte man eigentlich nur hartgesottenen Fans und Schweden-Liebhabern empfehlen.

Also Schwamm drüber – es kann nur besser werden. Die aktuelle Single „Black Saturday“ ist auf jeden Fall ein Silberstreif am Horizont. Eingängig, tanzbar und mit einem faszinierenden Disco-Feeling. Das schrille Cover des Albums macht aber letztlich stutzig. Und der Titel, nach dessen Bedeutung man nicht lange fahnden muss: 2011 hat die Band einen gebrauchten Synthesizer der russischen Marke „Aelita“ geschenkt bekommen. Glück für Fans von SF-B-Filmen und schrägen Atari-Soundtracks, Pech für Liebhaber alternativer Rockmusik.

Naja, ganz so schlimm ist es nicht. Mando Diao haben sich halt weit aus dem Fenster gelehnt und ein Album aufgenommen, das sehr ruhig gehalten ist („Black Saturday“ ist da der hymnische Ausreißer) und den 80er Sound auf die Spitze treibt. Dafür wurde sogar Keytar-Legende Jan Hammer (der unter anderem für die Titelmelodie von „Miami Vice“ zuständig war) mit an Bord genommen. Und das merkt man den sphärischen Ausflügen in die Vergangenheit auch an.

Bleibt als Fazit: „Aelita“ ist definitiv kein Hitalbum. Es klingt bisweilen experimentell, aber auch sehr vertraut für Kinder der 80er. Gustav und Björn spielen mit elektronischen Parts, leben ihre Leidenschaft als DJs voll aus und überraschen ein ums andere Mal mit Tracks wie „Money Doesn’t Make You A Man“ und „Romeo“. Bisweilen kommen Erinnerungen an die seligen Zeiten von Depeche Mode hoch. Fans des gepflegten Synthie-Pop werden sich hier gut aufgehoben fühlen.

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