Mando Diao vertonen auf „Infruset“ schwedische Gedichte

VERÖFFENTLICHUNG» 02.11.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

Ein Album mit vertonten Gedichten in ihrer Muttersprache ist nicht gerade das, was man von der schwedischen Band Mando Diao nach ihrer Hitsingle „Dance With Somebody“ und dem Engagement der beiden Sänger beim Musikprojekt Caligula erwartet hätte. Aber irgendwie passt es auch zu diesen eigenwilligen Künstlern, die sich bisher mit jeder ihrer Veröffentlichungen ein Stück weit neu erfunden haben. Den Impuls zu „Infruset“ gab die Anfrage, zum 100. Todestag von Gustav Fröding eines seiner Werke zu vertonen. Die Band war so inspiriert von seinen Gedichten, dass schließlich ein ganzes Album entstand.

Der 1860 geborene Gustav Fröding gilt als einer der größten Poeten Schwedens, dessen vielseitiges Werk sowohl romantische Naturbeschreibungen als auch scharfzüngige Gesellschaftsbeobachtungen umfassen. Insgesamt zehn von seinen Gedichten haben Mando Diao auf „Infruset“ einen musikalischen Rahmen gegeben. Dieser ist sehr melodisch und größtenteils von akustischen Instrumenten getragen – viel Piano, Folk-Gitarren und Streicher und nur sparsame Percussion. Das Ergebnis klingt oft schwärmerisch stimmungsvoll wie bei „I Ungdomen“ oder der Hymne „Titania“,  verdichtet sich aber auch zu atmosphärischen Klängen wie in „En Sångarsaga“, das von den Erinnerungen eines alternden Sängers an seine große Liebe erzählt.

Die Werke von Gustav Fröding führen oft in menschliche Abgründe, denen die musikalische Umsetzung nicht immer entspricht. Kann man beim Titelsong „Infruset“ den beschriebenen Erfrierungsprozess einer menschlichen Seele noch ahnen, so spiegelt die Ballade „En Ung Mor“ die Verzweiflung einer minderjährigen Mutter musikalisch kaum wider. Sicher spielen Mando Diao absichtlich mit diesen Gegensätzen, was sich aber außerhalb von Skandinavien nur den wenigen Menschen erschließt, deren Schwedischkenntnisse zum Begreifen der Texte ausreichen.

Vermutlich wird sich der Erfolg von „Infruset“ deshalb bei uns in Grenzen halten. Denn dieses Album ist zwar auch musikalisch spannend, die Texte stehen aber im Vordergrund – und die versteht hierzulande eben kaum jemand. Empfehlen kann ich Mando Diaos neuestes Werk also eigentlich nur hartgesottenen Fans und Schweden-Liebhabern!