Maria Mena – Weapon in Mind: selten wurde melodischer geflucht

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Manche haben es bestimmt für einen Aprilscherz gehalten, als Maria Mena im Frühjahr ihre Single „Fuck You“ ankündigte. Doch die norwegische Sängerin machte tatsächlich so unverblümt ihre Haltung gegenüber Cybermobbern und anonymen Internet-Kritikern deutlich – und es ist wohl selten melodischer geflucht worden. Ein halbes Jahr später erscheint nun endlich auch das dazugehörige Album „Weapon in Mind“.

Maria Mena zeigt sich mit ihrem aktuellen Werk inhaltlich gewohnt authentisch, musikalisch jedoch experimentierfreudiger als noch auf dem Vorgänger „Viktoria“. Dafür hat sie sich neben Martin Sjølie weitere Produzenten ins Boot geholt, die für spannende Akzente sorgen. So wird etwa die perlende Pianobegleitung in „Interesting“ im Refrain wie von einem Aufschrei durchbrochen, und „You´re All Telling Stories“ überrascht mit  Dancefloor-Rhythmen im Refrain – das penetrante Keyboard hätte man sich allerdings besser gespart. Düsterer Rock in „Madness“, Gute-Laune-Pop mit „You Make Me Feel Good“ und ruhige Pianoballaden wie „I´m Only Human“ vervollständigen das musikalische Spektrum.

Für Maria war Songwriting schon immer eine Form der Vergangenheitsbewältigung, aber allmählich gewinnen die positiven und hoffnungsvollen Aspekte in ihren Songs die Oberhand. „I Always Like That“ ist ein Bekenntnis zur eigenen inneren Stärke und „All The Love“ beinhaltet neben den wiederkehrenden Vorwürfen an ihre Mutter auch das Versprechen an zukünftige Töchter, es besser zu machen. „Caught Off Guard, Floored By Love“ ist eine Hymne an die Macht unerwarteter Liebe und mit „I Love You Too“ macht die Sängerin ihrem Mann eine zauberhafte Liebeserklärung. Einen wieder etwas düsteren, aber sehr beindruckenden Schlusspunkt setzt schließlich „The End“, mit dem Maria den Tod eines nahen Verwandten verarbeitet.

Insgesamt überzeugt „Weapon in Mind“ trotz mancher musikalischer Experimente, durch die man bei manchen Songs ein wenig länger braucht, um sich für sie zu begeistern. Maria Menas wunderbare Stimme, ihren ehrliche Texten und ihrem Talent für außergewöhnliche Melodien sorgen aber auch hier wieder für jenen Zauber, den ihre Musik schon immer versprüht hat.