Mark Forster macht ein zweites Album mit Herz und Verstand

VERÖFFENTLICHUNG» 16.05.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Mark Forster stammt aus dem rheinland-pfälzischen Örtchen Winnweiler, nicht weit von Kaiserslautern. Viele Jahre begleitete er Kurt Krömer als Pianist, bevor er selbst als Sänger aktiv wurde: „Auf dem Weg“ hieß der Hit, der sich in die Gehörgänge und auf viele Compilations schlich. Ein eingängiger Song mit viel Drive. Das Debütalbum „Karton“ schaffte es dann auch in die Charts, ohne aber so richtig durchzustarten.

Warum der Name inzwischen trotzdem deutschlandweit ein Begriff ist? Weil Sido den Guten unter seine Fittiche nahm. Der gemeinsame Song „Einer dieser Steine“ gehört zu den Highlights von Sidos letztem Album und Mark Forster hatte auch als einziger Gastsänger die Muße, Sido auf seiner kompletten Tour als melodischer Sidekick zu begleiten. Gut gemeistert!

Jetzt ist Forster aber wieder selbst am Zug und liefert mit „Bauch und Kopf“ sein zweites Album ab. Vorweg: Es ist stark produziert, hat einige spannende Features zu bieten und klingt sehr atmosphärisch. Er hat sich nicht davon verlocken lassen, „Auf dem Weg“ in zwölffacher Ausfertigung neu zu produzieren. Im Gegenteil. Auf dem Album finden sich vor allem Balladen. Langsame Stücke, die zudem sehr persönlich sind.

Es gibt viele orchestrale Momente. Einen Rahmen, der das Album in zwei Schallplattenhälften teilt und ein „Interlude“ in der Mitte platziert. Mark Forster hat kein Konzeptalbum geschrieben, aber er liefert einige poppige Songperlen, die einem Konzept folgen. Seiner Biografie. „Au Revoir“ im Verbund mit Sido ist da nur der Anfang. Ganz stark wird es, wenn Forster mit Bildern spielt. Wie in „Königin Schwermut“ oder „Geisterjäger“, das auf nachvollziehbare Weise eine schlaflose Nacht beschreibt.

Der Konflikt zwischen Herz und Verstand, zwischen „Bauch und Kopf“ spielt eine große Rolle. Mir gefallen solche Gegenwarts-Metaphern wie in „Immer immer gleich“: „Du bist mein kleines Popup-Fenster. Du tauchst immer wieder auf. Ich klick auf X, doch du verschwindest nicht.“ Mag banal klingen, trifft aber den Nerv der Zeit. Zusammen mit Caro von Glasperlenspiel gibt es den Vermiss-dich-Song „Hundert Stunden“ und Flo Mega veredelt die nostalgische Kumpel-Hymne „Trink auf dich“.

Mark Forster ist schon mit seinem zweiten Album ganz oben angekommen. Ein Netzwerk aus Helfern, Präsenz in den Medien, doch das ist nicht alles. Starke Songs und ein durchdachter Aufbau des Albums machen „Bauch und Kopf“ aus. Das klingt nicht mehr nach Rheinland-Pfalz, sondern heftigst nach Berlin.

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