Mark Lanegan & Duke Garwood: „Black Pudding“ – Hypnotischer dunkler Blues zweier spiritueller Brüder im Geiste

VERÖFFENTLICHUNG» 10.05.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Der ehemalige Sänger der Screaming Trees gehörte mit seiner Band zu den Pionieren einer Musikszene rund um die Stadt Seattle, im Nordwesten Amerikas Anfang der Neunziger. Gemeinsam mit Gruppen wie Soundgarden, Alice In Chains und Pearl Jam spielte man erfolgreiche Clubgigs und bereitete den Nährboden für die nächste große rockmusikalische Revolution. Die Screaming Trees sind mittlerweile Geschichte und Mark Lanegan jedoch erweist sich bis heute als Hans Dampf in allen Gassen, von seinen frühen Solowerken (z.B. „Whiskey For The Holy Ghost“) über Gastperformances bei den Twighlight Singers, als Teil der Gutter Twins mit Greg Dulli, bei den Soulsavers, sowie seiner eigenen Mark Lanegan Band, den Platten mit Isobel Campbell, bis schließlich hin zu diversen Beiträgen mit den Queens Of The Stone Age. Man kann also behaupten, dass das Urgestein aus dem Nordwesten der USA nicht vor Kollaborationen zurückschreckt, die durchaus auch mal genreübergreifend ausfallen können, wie jüngst die Zusammenarbeit mit dem New Yorker (DJ) Moby. Auch auf seinem letzten Soloalbum „Blues Funeral“ im vergangenen Jahr webte Lanegan nervös pluckernde Beats und ätherische Elektronik in sein düsteres blueslastiges Songkonzept ein.

Die aktuelle Platte allerdings hat mit solchen experimentellen Ausflügen wieder weniger zu tun. Mark Lanegan hat diese mit dem Multiinstrumentalisten Duke Garwood, einem persönlichen Freund und sogar langjähriges musikalisches Vorbild für Lanegan, in Kalifornien aufgenommen.

Bevor der Mann aus Seattle allerdings seinen brummigen Bariton durch die Mikros schickt, eröffnet die Platte mit dem instrumentalen Titelsong. Ein spanisch anmutendes gezupftes Stück und dieses staubig trockene Gitarrenspiel von Duke Garwood geht auf dem zweiten Song „Pentecostal“ weiter, mehr verwurzelt im Blues und dann kommt rauchig und kratzend diese markante Stimme ins Spiel. Eindringlich, dunkel, voll von gelebten Jahren. Es ist ein schleppendes Album geworden, Töne in Moll begleiten den ruhigen Gesang, der nur selten ausbricht aus dem erzählerischen Tempo dieser Stories. Beim vierten Song „Mescalito“ stampft dann plötzlich ein Drum Computer den Takt vor, doch mit der weiteren Instrumentierung bleibt das Lied dennoch organisch bei der Stange. Die „Sphinx“ kehrt zum Blues zurück, wenn auch mit verhallter verzerrter Stimme irgendwo aus dem Off. Das Zusammenspiel von Lanegan´s einzigartigem Organ, schwerem Piano, akzentuierter Gitarre, Streichern, Flöten und anderen wummernden Instrumenten ziehen das Album oft tief hinab in eine musikalische Schwermut, die man eigentlich auch erwarten konnte von dem „schwarzen Mann“ Mark Lanegan. Teils sind die einzelnen Songs sehr kurz gehalten, aber dadurch nicht minder eindringlich und oft auch gespenstisch rauschen sie in den Kopf des Hörers.

Die beiden Schmerzensmänner sind spirituelle Brüder und haben den dunklen Blues fest in ihren verwandten Seelen eintätowiert. Vielleicht ist diese Verbundenheit und gefühlte Gleichheit am Ende doch auch ein Manko dieser Platte? Tief unten auf seinem Seelengrund hat Lanegan den Blues vor kurzem fast zu Grabe gebettet und nur noch in seinem Innern verpflanzt. An der Seite seines Partners Duke Garwood holt er ihn jetzt erneut hervor.