Max Herre grüßt uns – „Hallo Welt!“

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Fünf Jahre nach dem letzten Freundeskreis-Album veröffentlichte Max Herre 2004 sein Solo-Debüt, das gleich wie eine Bombe einschlug. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis die Musikwelt merkt, was sie so schmerzlich vermisst hat. Herre war inzwischen in die Welt der Labels und Promoter eingetaucht, doch die Freude an der eigenen Musik ist ungebrochen. 2007 wurde gar der Freundeskreis kurzfristig wiederbelebt. Jetzt aber ist es Zeit für das dritte Solowerk mit dem Titel „Hallo Welt!“, dem Lebenszeichen, auf das alle gewartet haben.

Zunächst fällt die Anzahl an hochkarätigen Kollaborationen auf, die das Album füllt. Die Single „Wolke 7“ featuring Philipp Poisel, die umgehend in die Charts einschlug, war da nur der Anfang. Wer so umtriebig ist wie Max Herre, baut sich viele Seilschaften auf. Cro und Clueso sind mit dabei, Samy Deluxe, Marteria, Patrice und Fetsum, für zwei Songs sogar Aloe Blacc (um nur einige zu nennen).

Schon die Single-Auskopplung zeigte, dass wir ein sehr filigranes Album erwarten dürfen. Max Herre war noch nie der Typ zum Auf-die-Pauke-hauen. Die leisen Töne machen ihn aus, eine Mischung aus Rap, Soul, Funk – gewürzt mit einer gehörigen Portion Reggae. Da ist er auch gerne zurückhaltend und überlässt den hochkarätigen Gästen das Feld. Und trotzdem wirkt nichts zerstückelt, denn Herre beherrscht die Kunstgriffe, um ein homogenes Album zu schaffen: Songs gehen ineinander über, es gibt Ansagen und Einspieler – als habe er sich eine eigene Radiosendung geschaffen, die es der Welt zu präsentieren gilt.

Das Konzept funktioniert in allen Punkten und Max Herre hat viel zu sagen: über die NS-Zeit in „Berlin – Tel Aviv“, über Wut und Neuaufbau in „Einstürzen Neubauen“ und über den allgegenwärtigen Großstadt-Blues in „Solang“. Es gibt viele optimistische Momente und gemeinsam mit Aloe Blacc verwandelt Herre den Song „You Are So Beautiful“ von Billy Preston in ein berührendes Liebeslied an seine Tochter „So wundervoll“.

Während Herre sich auf „Ein geschenkter Tag“ ganz dem Folk verschrieben hatte, ist die Rückkehr zum HipHop mehr als gelungen. So poetisch kann nur er formulieren und den kritischen Optimisten geben.